International Vegetarian Union (IVU)
IVU logo

Vegetarische Ernährung, körperliche Tätigkeit und sportliche Leistung
Prof. Dr. Dr. h.c. Marcel Hebbelinck, Leiter der Fachgruppe „Biometrie u. Biomechanik“ der Freien Universität Brüssel.

EVU News, Ausgabe 2 / 1996
[image: Dr.Hebbelinck]
Dr. Marcel Hebbelinck,
5. Kongress der EVU
in Bratislava, Juli 1995.

Warum ist die Ernährung des Menschen hinsichtlich der körperlichen Leistungsfähigkeit so oft untersucht worden? Der einleuchtendste Grund ist, dass allgemeine körperliche Tätigkeit und sportliche Aktivität im speziellen, ganz direkt von der Qualität und der Quantität der Nahrungsaufnahme abhangen.

Wenn wir davon ausgehen, dass unser entstehungsgeschichtliches Erbe das von Pflanzenesser ist, (z.B. sind die Primaten Vegetarier), so ist die vegetarische Kostform höchstwahrscheinlich die älteste Art der Ernährung aller frühesten Hominiden (Gordon 1987). Ausserdem kann man annehmen, dass Samen, Nüsse, Früchte, Wurzeln und andere Pflanzennahrung weiterhin den grössten Anteil der Nahrung der prähistorischen Völker in den tropischen und gemässigten Regionen ausmachten, auch wenn es schon verschiedene Anteile tierischer Proteine bei den Völkern der sogenannten Jäger und Sammler gab.

Klimatische Veränderungen müssen eine bedeutende Rolle nicht nur bei der Zusammensetzung der Hominidennahrung, sondern auch bei ihrer Veränderlichkeit gespielt haben. Zweifellos könnte auch der Gebrauch des Feuers eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der menschlichen Ernährung gespielt haben. Wir wissen, dass Hitze oft nötig ist, damit das Nicht-Essbare essbar wird, indem physikalische Schranken zu Nährstoffen durchbrochen und Toxine entfernt werden. Hinzu kommt, dass Hitze das Konservieren von überschüssiger Nahrung ermöglicht hat. Das Spektrum der modernen menschlichen Nahrungsformen zeigt eine bemerkenswerte Reichweite von Möglichkeiten der Ernährung, die von der fisch- und fleischreichen Diät der Eskimos zu den streng vegetarischen Diäten einiger Volksgruppen des indischen Subkontinents reichen. Dazwischen ist jede Kombination möglich.

Auch die vegetarischen Diäten selbst können sehr unterschiedlich sein, und die Definition verschiedener vegetarischer Lebensweisen kann man wie folgt unterscheiden:

  • Frutarier: die Diät besteht aus rohen oder getrockneten Früchten, Nüssen, Samen, pflanzlichem Öl und manchmal Honig
  • Veganer oder strenger (reiner) Vegetarier: reine Pflanzen- und Fruchtdiät ohne irgendein Produkt tierischer Herkunft
  • Lacto-Vegetarier: Pflanzen, Früchte und Milchprodukte
  • Lacto-Ovo-Vegetarier: Pflanzen, Früchte ergänzt durch Milchprodukte und Eier
Einige Leute nennen sich „Semi-Vegetarier“, wenn sie Lacto-Ovo-Vegetarier sind oder „Neu-Vegetarier“ und legen die Betonung auf „organisch“, „natürlich“ oder „naturbelassen“, verzehren aber zusätzlich einige weitere tierische Produkte. Das ist natürlich ein unkorrekter Gebrauch des Begriffes „Vegetarier“ und führt nur zu Verwirrungen.

Die Gründe für einen freiwilligen Verzicht auf tierische Produkte sind in erster Linie ethisch-, philosophisch-, religiös-, kulturell- und oder gesundheitsbedingt. Hinzu kommt, dass heute der grösste Teil der Erdbevölkerung, besonders in den Ländern der 3. Welt vegetarisch oder fast vegetarisch lebt, weil er sich tierische Produkte nicht leisten kann, und nur Pflanzen, Nüsse, Samen und Früchte ihr zur Verfügung stehen. Einige dieser Bevölkerungen, die nur frugale Nahrung zu sich nehmen, zeigen jedoch ein erstaunliches Niveau an körperlicher Tätigkeit und Leistungsfähigkeit. Diese oft langlebigen Gesellschaften sind zweifellos Beispiele für viele Prinzipien, die von Gerontologie-Forschern in den letzten Jahrzehnten entdeckt wurden. Wir wollen einige Aspekte ihres Lebensstils betrachten: z.B. organisieren die Tarahumara-Indianer ultralange Läufe, bei denen Mannschaften einen Ball im Wettstreit auf einem Bergpfad vorwärts schiessen. Sie rennen ununterbrochen 24 bis 48 Stunden lang und bis zu einer Strecke von 300 km. Die Hauptnahrungsmittel der Tarahumara-Indianer sind Mais, Bohnen, Kürbis, Wildpflanzen und wenige Süsswasserfische. Fleisch wird nur gelegentlich an besonderen Festen gegessen.

Noch ein Beispiel der Professorin für Anthropologie, Sula Benet, die im Jahre 1970 nach einen Besuch in Abkhasien berichtete: „Im Dorf Tanush, in der Sowjet Republik Abkhasien, erhob ich vor nicht langer Zeit mein Weinglas auf das Wohl eines Mannes, der nicht älter als 70 aussah. „Mögen Sie so alt werden wie Moses (120 Jahre)“, sagte ich. Er war nicht erfreut, er war 119.“ Bezüglich Gesundheit und Leistungsfähigkeit stellte Dr. Benet fest, dass die Älteren gewöhnlich über ein ausgezeichnetes Sehvermögen verfügen, und die meisten ihre eigenen Zähne haben. Ihre Haltung ist ungewöhnlich aufrecht, sogar bis ins hohe Alter.Viele der über 70Jährigen machen täglich meilenlange Wanderungen und schwimmen in den Bergflüssen. Die von sowjetischen und ausländischen Forschern durchgeführten Studien zeigen auf, dass Zeichen von Arteriosklerose, wenn sie überhaupt auftrat, nur in sehr hohem Alter gefunden wurden. Es gab keinen dokumentierten Fall von Geisteskrankheiten oder Krebs in einer 9-Jahresstudie bei 123 Abkhasiern, die alle über 100 Jahre alt waren.

„Sich überessen“ gilt als gefährlich bei den Abkhasiern, und fette Leute werden als krank angesehen. Die Ernährung der Abkhasier enthält sehr wenig Fleisch, vielleicht ein- oder zweimal die Woche. Zu allen drei Mahlzeiten essen sie „Abista“, eine Getreidemahlzeit, (anstelle von Brot), die in Wasser ohne Salz gekocht wird. „Abista“ wird warm mit hausgemachtem Ziegenkäse gegessen, der darin getunkt wird. Sie trinken zwei Glas Buttermilch pro Tag. Die anderen Bestandteile der täglichen Nahrung der Abkasier sind frische Früchte, besonders Trauben, frische Gemüse, darunter Zwiebeln, Tomaten, Gurken und Kohl, eine grosse Vielfalt von eingelegten Gemüsen und Lima-Bohnen, die stundenlang auf kleinem Feuer gekocht, dann püriert und mit einer Sauce aus Zwiebeln, Paprika, Knoblauch, Granatapfelsaft und Pfeffer serviert werden. Grosse Mengen von Knoblauch stehen immer zur Verfügung. Die Abkasier trinken weder Wasser noch Tee, dafür ein kleines Quantum von lokal hergestellten trockenem Rotwein mit niedrigem Alkoholgehalt. Zucker fehlt ganz und gar in ihrer Nahrung, doch Honig, ein örtliches Produkt, wird manchmal gebraucht.

Alexander Leaf, Professor für klinische Medizin an der „Harvard Medical School“, ist ein weiterer Anthropologe, der die Bedeutung einer einfachen Ernährung und eines aktiven Lebensstiles an den langlebigen Völker des Kaukasus (Abkhasier) des Karakorums (Hunzavolk) und der Anden (Vilcabamba) aufzeigte. In seinem Buch: „Jugend bis ins hohe Alter“ (Leaf 1975) sagt er: „Es ist äusserst wichtig, in den jungen Jahren gute Ernährungsgewohnheiten anzunehmen. Wenn ich auch keine eigene erprobte Regel anzubieten habe, wie man ein langes, kraftvolles, gesundes Leben erlangen kann, so will ich doch das Geheimnis vom 104 Jahre alten Markhti Tarkil aus Duripshi in Abkhasien mitteilen. Markhti erzählte mir, dass er, solange er sich erinnern könne, jeden Morgen einen steilen Hügel hinuntergehe und im eisigen Wasser eines schnelles Bergflusses bade. Danach zöge er sich wieder an und steige zu seinem Haus den Hügel hinauf. Solange Markhti dies tun kann, ist er sicherlich zu fit um zu sterben. Jeden Tag wiederholt er diese körperliche Ertüchtigung und so Tag für Tag, während die Jahre vergehen“.

Der pakistanische Ernährungsforscher, Dr. Magsood Ali, schreibt in einem Überblick über die langlebigen Hunza, dass er in ihrer fast vegetarischen Diät eine sehr geringe Kalorienzufuhr feststellte: Nur 1923 Kalorien mit 50 g. Proteinen, 36 g. Fett und 354 g. Kohlenhydraten, wobei Fleisch und Milchprodukte nur 1,5 % des Ganzen ausmachten (zitiert in: Leaf 1975).

Ähnliche Zahlen findet man bei Dr. Guillermo Velo aus Quito, der eine auffallend niedrige Kalorienzufuhr besonders bei den älteren Menschen der Vilcabamba fand. Die durchschnittliche tägliche Nahrung ergab 1200 Kalorien, mit 35-38 g. Proteinen, 12-19 g. Fett und 200-260 g. Kohlenhydraten. Proteine und Fett waren überwiegend pflanzlichen Ursprungs. Man braucht nicht zu erwähnen, dass man weder bei den Älteren der Hunzas noch bei denen der Vilcabamba Übergewichtige sieht, noch gab es irgend welche Zeichen von Unterernährung (aus Leaf 1975). Die Nahrung der Hunzas besteht hauptsächlich aus Getreide (Weizen, Gerste und Buchweizen) und Samenkörnern, grünen Gemüsen (wie Spinat und Salate) und Wurzelgemüsen (Karotten, Rüben, Kartoffeln und Radieschen). Bohnen und weitere Hülsenfrüchte, wie Linsen, gekeimte Hülsenfrüchte gehören auch zu ihrer Nahrung. Sie essen Kürbisse und deren Kerne, sowie reichlich Frischkäse (cottage cheese). Als Früchte essen sie hauptsächlich Aprikosen und Beeren, entweder frisch oder sonnengetrocknet; Fleisch wird nur bei seltenen Gelegenheiten gegessen. All diese langlebigen Völker (Abkhazier, Hunzas und Vilcabambas) mit einer knappen, halb- oder ganzvegetarischen Ernährungsweise, haben ein gemeinsames Merkmal: ein grosses Mass an körperlichen Tätigkeiten. Die traditionellen Landbau- und Haushaltsaktivitäten verlangen Schwerarbeit, und alle Bewohner sind von der Kindheit bis ins hohe Alter daran beteiligt.

Zu der körperlichen Arbeit in der Landwirtschaft kommt das gebirgige Gelände. Das Überqueren der Hügel zu Fuss während der täglichen Arbeiten ergibt ein hohes Mass an Herz- Kreislauf- fitness (Leistungsfähigkeit) sowie Muskelkraft.


Was können wir aus den Studien von diesen drei Kulturen langlebiger Völker hinsichtlich der Ernährung und körperlichen Tätigkeit lernen? Alle drei haben eine einfache (frugale) halbvegetarische Diät gemein mit geringer Kalorienzufuhr und direkt aus dem Boden stammend, ohne grosses Raffinieren (Verarbeiten). Der Fett- und Proteingehalt ist ebenfalls gering und überwiegend pflanzlichen Ursprungs.

Dr. David Davies, ein Ökologe an der Abteilung für Altersforschung der Universität in London, der das Volk der Vilcabamba erforscht hat (in den Anden Equadors in einer Höhe von 1520-1700 m), schreibt: Wenn die Hundertjährigen der Anden bereits vor 20 Jahren entdeckt worden wären, dann wären sie heute bis zur Vernichtung ausgebeutet worden. Denn die Welt war damals nicht bereit, sie zu empfangen, und es gab nicht genügend Interesse, sie in der wissenschaftlichen Welt zu akzeptieren. Das generelle Bewusstsein und das Wissen der Menschen haben sich derart geändert, dass wir heute wenigstens den Vegetarismus als eine normale Möglichkeit für eine Ernährungsweise anerkennen. Die Idee, dass die Art der Ernährung einen bedeutenden Einfluss auf das Leben der Menschen hat, wird heute von vielen Menschen akzeptiert. Nicht nur Wissenschaftler und Ärzte sind interessiert, sondern auch ein grosser Teil der Öffentlichkeit (Davis, 1975 S. 66).

Neuere Studien (Slavin et. al., 1986, Mickenberger 1989) zeigen, dass eine ständig zunehmende Zahl von Athleten zu einer vegetarischen oder semi-vegetarischen Ernährung übergeht, indem sie die Fleischaufnahme stark vermindert und/oder den Konsum von Gemüse, Früchten, Nüssen, Samen und Vollkornspeisen stark erhöht. Ein bemerkenswertes Beispiel für einen eindrucksvollen sportlichen Grossanlass ist der sogenannte „Deutschland Lauf“ (Dauerlauf durch Deutschland).

Dieser Langstreckenlauf geht über 1000 km (ca. 650 Meilen) von der Ostsee bis zu den Alpen und wird von der Abteilung Sportmedizin und Gesundheitserziehung der Johannes Gutenberg Universität in Mainz organisiert. Die Leitung hat Prof. Jung. Eine erste Pilotstudie (Lauf von 11100km in 19 Tagen) fand im Jahre 1981 statt, und wurde danach im Jahre 1987 definitiv organisiert.

Etwa 150 Läuferinnen und Läufer im Alter von 20 bis 70 Jahren nahmen daran teil. Die Teilnehmer dieses ultralangen Laufs, die lacto-vegetrische Vollwertkost mit viel frischen Früchten und rohen Gemüsen zu sich nahmen, erbrachten grossartige Leistungen. Medizinische Untersuchungen und wissenschaftliche Auswertungen zeigten, dass diese vegetarische Diät hinsichtlich der Kalorien, Vitamine und Mineralien genau richtig war. Oft wird gesagt, eine vegetarische Ernährungsweise sei passend für Ausdauerläufer (z.B. Nyboer, ein bekannter holländischer Marathonläufer, der 70er Jahre), sei aber weniger geeignet für Sportarten, die eine grosse muskuläre Schnellkraft erfordern.

Diese Annahme wird durch eindrucksvolle Beispiele vegetarischer Hochleistun gssportler widerlegt und zwar in Sportarten, in denen Kraft und/oder Schnelligkeit vorherrschen (prädominieren):

  • Eder Jofre (Brasilien) 1962 Boxweltmeister, Bantamgewicht
  • Peter Hussing (Deutschland) 1979 Europameister der Amateure, Superschwergewicht
  • Andreas Cahling (Schweden) 1980 Mr. International Body Building
  • Toni Innauer (Österreich) 1980 Olympische Goldmedaillengewinner im Skispringen
  • Ingra Manecke (Deutschland) Deutsche Meisterin im Diskuswerfen von 1977 bis 1982
  • Chris Evert (USA) Weltklasse Tennisspielerin der 80er Jahre
  • Surya Bonally (Frankreich) 5fache Europameisterin im Eiskunstlauf 1981-1995
  • Dave Scott (USA) lebenslanger Vegetarier, der den Ironman von Hawaii, den härtesten Triatlon der Welt als einziger viermal hintereinander gewonnen hat
  • Edwin Moses (USA) Weltmeister, Olympiasieger über 400 m Hürden
Ein exzellentes Beispiel für einen grossen Champion ist der Schwimmer Murray Rose (Australien). 3 Goldmedaillen, ein Weltrekord an den Olympischen Spielen in Melbourne und anschliessend eine Gold-, eine Silbermedaille, sowie einen Weltrekord an den Olympischen Spielen in Rom 1960 waren seine Erfolge.

Murray Rose war ein Lacto-Vegetarier der 3. Generation. In einem Interview sagte er, dass er in einer vegetarischen Familie aufgewachsen sei, und nie Fleisch, Fisch oder irgendeine Nahrung von toten Tieren gegessen habe. Er erklärte, dass er nicht nur kein Fleisch, Fisch oder Geflügel esse, sondern an eine Vollwertkost glaube, die reich sei an Gemüsen, Früchten, Naturreis, Weizen, Honig, hochwertiger Milch und Sojaprodukten, Nüssen, Samen, Hirse und Sonnenblumenkernen (Stolzenberg 1974).

In den meisten Büchern, über Ernährung und sportliche Leistung werden allgemeine Angaben gemacht, die auch in einer vegetarischen Kost befolgt werden können.

Kalorien: (heute in Kilojoules ausgedruckt; 1 Kalorie = 4.18 Kilojoules) Ein Athlet kann bis zu mehr als 6000 Kalorien pro Tag verbrennen, je nach Sportart, Klima, Dauer und Intensität der Aktivität.

Eine nahrhafte Diät enthält Kohlenhydrate, Eiweisse und Fette, doch Kohlenhydrate gelten als die beste Quelle für hohen Energiebedarf.

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate stellen Energie in Form von Blutglucose (Zucker), Leber- und Muskelglykogen bereit und zwar sowohl für kurze intensive Anstrengungen als auch für Ausdaueranlässe.

Etwa 55% der gesamten Nahrungsenergie sollen von Kohlenhydraten stammen.

Welche Kohlenhydrate sollten empfohlen werden? Komplexe Kohlenhydrate sind den einfachen (= alle raffinierten Zuckerarten) überlegen, weil sie besser nähren. Nahrhafte Gerichte haben einen hohen Anteil an Vitaminen und Mineralien in Vergleich zum Energiegehalt. Sie enthalten mehr B-Vitamine, die für den Stoffwechsel notwendig sind, mehr Faserstoffe und Eisen, die zu einer ausgewogenen Nahrung beitragen. Gerichte, die reich an Kohlenhydraten sind, sorgen dafür, dass die Entleerung der Muskelglykogen-Speicher vermindert wird. Ebenso wird die Dauer des Erschöpfungszustandes nach hartem Training herabgesetzt. Vollkorngerichte (Teigwaren, Brot und Getreide) sind reich an Kohlenhydraten, aber ebenso sind frisch, süsse und sonnengetrocknete Früchte eine gesunde Energiequelle. Die letztgenannten Nahrungsmittel sind vorzuziehen, da sie helfen, das Säure-Basen Verhältnis des Blutes wieder herzustellen.

Proteine

Zirka 10-15% der täglichen Energiemenge sollten von eiweisshaltigen Mitteln stammen. Über die empfohlene tägliche Menge R.D.A. (Recommended Daily Allowance) gibt es in der Literatur Angaben, die von täglich 0,5 g/kg Körpergewicht bis zu 1 g/kg Körpergewicht reichen und weit darüber für Spörtler, die sehr intensive und lange Anstrengungen ausführen.

Viele Athleten, vor allem Kraftsportler, konsumieren regelmässig weit höhere Mengen an Proteinen als empfohlen. Offenbar glauben sie, dass sie damit ihre Leistungen steigern. Es ist möglich, dass Muskelumfang und -stärke erhöht werden, dafür wird die zu hohe Proteinzufuhr gelagert und kann zu krankhaften Auswirkungen, wie Kalziumverlust (Hyperkalzurie), Gicht und Dehydratation (Störung des Wasserhaushaltes) führen.

Sehr aktive Personen, brauchen vielleicht mehr Proteine als solche mit einer sitzenden Lebensweise, aber der R.D.A.-Grenzwert von 0,8 g/kg Körpergewicht erfüllt auch leicht die Bedürfnisse der Athleten, vorausgesetzt, dass sie eine ausgewogene Diät haben.

Athleten, die Lacto-Ovo-Vegetarier sind, nehmen genügend Eiweiss zu sich, da Milch, Käse und Eier einen hohen Eiweissgehalt haben. Veganer haben vielleicht mehr Mühe, ausreichend entsprechendes Eiweiss zu bekommen. Pflanzeneiweiss ist meist nicht so „vollständig“, da es eine oder mehrere der essentiellen Aminosäuren nicht hat. Dennoch sind gewisse Pflanzen, wie z.B. Soja, in Bezug auf die essentiellen Proteine gleichwertig. Um eine ausreichende Qualität an Proteinen zu gewährleisten, wird daher empfohlen, gewisse pflanzliche Eiweisse durch andere zu ergänzen, damit das Aminosäurenangebot verbessert wird. Beispiele für sich ergänzende Kombinationen sind:

  • Hülsenfrüchte/ Getreide: - Linsensuppe mit Vollkornbrot - Bohnen mit Buchweizenpfannkuchen oder Vollreis
  • Hülsenfrüchte/ Samen: - gekeimte Sojabohnen mit Sonnenblumenkernen - Kichererbsen und Sesamsamen
  • Hülsenfrüchte/ Nüsse: - Erbsen und Cashew Nüsse
Auf dieser Weise kann sich der vegetarische oder vegane Athlet mit genügend Proteinen versorgen, wenn die Diät ausreichend Kalorien enthält und er eine Vielfalt an Früchten, Nüssen, Samen und Gemüsen konsumiert.

Fett

Fett ist eine konzentrierte Energiequelle, aber es braucht mehr Sauerstoff für den Stoffwechsel als Kohlenhydrate und es ist daher weniger erwünscht als Brennstoff für körperliche Tätigkeiten. Das Training kann die Fähigkeiten des Körpers vergrössern, Fett als Energielieferant zu nützen. Ungefähr 30% oder weniger der täglichen Energiemenge können von Fett kommen. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass in vielen unserer täglichen Nahrungsmitteln eine Vielfalt von Fett enthalten ist, und dass der Vorzug den hochungesättigten Fetten gegeben werden sollte, die vor allem in nicht emulgierten Pflanzenölen (z.B. Sonnenblumensamen, Soja, Sesam) vorhanden sind.

In unserer modernen Gesellschaft wird die empfohlene Menge von 30% der Kalo rieneinnahme oft überschritten, und diese Diät mit hohem Fettanteil kann mit dem zunehmenden Risiko der Herzkrankheiten in Zusammenhang gebracht werden.

Vitamine und Mineralien

Vitamine und Mineralien sind wichtig für den Stoffwechsel und daher unerlässlich für die athletische Leistung. Der beste Rat, den man einem Athleten geben kann, ist es daher, eine reiche Auswahl an Vollwert-Nahrungsmitteln zu sich zu nehmen, um die vielen notwendigen Vitamine und Mineralien zu bekommen. Auch hier sollten die Lacto-Ovo- und die Lacto-Vegetarier keine Probleme haben, um die Versorgung der notwendigen Menge an Vitaminen und Mineralien sicher zu stellen. Doch strenge Vegetarier oder Veganer könnten nur eine begrenzte Aufnahme von Vitamin B12 haben, das in Pflanzennahrung kaum vorkommt.

Nahrungsergänzungen und Sonderernährung

Viele Athleten, Betreuer und Trainer werden Opfer von Modenahrung, mit der Absicht, die körperlichen Fähigkeiten zu verbessern.

Der Gebrauch von zusätzlichen Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren, Pflanzenextrakten und weiteren Spezialprodukten, die den Athleten zur Verfügung stehen, hat keine wissenschaftliche Basis hinsichtlich der Wirksamkeit. „Energiespender“, „Glycogen Ersatz“, „Amino-Schub“, „Anabolic Beleber“ können schlecht informierte Athleten und Betreuer dazu verführen, solche Produkte, meistens zu übertriebenen Preisen, zu kaufen. Aronson (1986) hat einige der meistgebrauchten Nahrungsergänzungen untersucht und herausgefunden, dass (wenn überhaupt) nur wenige dieser Produkte einen eigentlichen Nährwert hatten.

Ausserdem nehmen einige Sportler grosse Mengen dieser Produkte im Glauben ein, dass sie so ihre Leistung entsprechend steigern können, nicht bedenkend, dass sie in Wirklichkeit ihrer Gesundheit und ihrer Leistung schaden. Die Arten der Nahrungssupplemente und sogenannte ergogenetische Hilfen sind einem ständigem Wandel unterlegen. Sehr oft werden diese Artikel vermarktet ohne eine nachweisliche, wissenschaftliche Untersuchung, die auf die möglichen positiven oder schädlichen Auswirkungen hinweist.

Die meisten der Ergänzungen und sog. ergogenetischen Hilfen nützen einem Athleten nichts, der ein vernünftiges Trainingsprogramm absolviert und eine ausgewogene Nahrungsaufnahme hat. Eine gute Ernährung und eine vegetarische Lebensweise, können schlussendlich den Unterschied ausmachen. Die Basis eine Hochleistungsdiät besteht aus einer Vielfalt von gesunden natürlichen Nahrungsmitteln, nicht Zusätzen oder Drogen. Alle Athleten, auch vegetarische, haben im Grunde die gleichen Nahrungsbedürfnisse wie Leute, die nicht regelmässig trainieren.

Abschliessend kann festgehalten werden, dass aus den vielen Beobachtungen bei körperlich tätigen Menschen ohne Zweifel hervorgeht, dass die vegetarische Ernährungsart in ausgewogener Weise die Nahrungsbedürfnisse der Athleten befriedigen und erfolgreich harte Trainingsprogramme unterstützen kann. Man sollte jedoch vorsichtig sein, jemanden Vegetarier zu nennen, der Fleisch, Fisch und Geflügel abstinent lebt (in der wahren Bedeutung des Wortes „vegetus“ kräftig, stark oder lebhaft; „vegetabilis“ belebend, erquickend), so wie nicht jeder ein Heiliger wird, der keine Sünden begeht.

Auf jeden Fall ist die Fleischabstinenz nur eine Seite. Sie muss von einem starken Glauben und und einer grossenAnstrengung begleitet sein, damit das permanente Ziel einer gesünderen Lebensweise erreicht wird. So können z.B. Anhänger einer extremen Macrobiotic-Diät nicht als Vegetarier bezeichnet werden, auch wenn sie überwiegend Pflanzenkost konsumieren. Es gibt auch Anhänger von vegetarischem Junk-Food, so wie es Anhänger von nicht vegetarischem Junk-Food gibt, und es wäre weder fair noch exakt, diese Gruppen als Vegetarier zu bezeichnen.

Prof. Dr.h.c. Marcel Hebbelinck, 10 Merelaan, B-1150 Bruxelles, Tel. +32-267 38 437


Literaturverzeichnis

  • ARONSON. (1986), Protein and miscellaneous ergogenetic aids. Physician & Sp.Med., 14 (5), 199-202.
  • BENET, s., (1971), Why they live to be 100, or even older, in Abkhasia. The New York Times Magazin, 1971, Dec 26.
  • Benet, S., (1974), Abkhasians : The long-living people of the Caucasus (Case studies in cultural anthropology). New York : Holt, Rinehart & Winston.
  • BUTTERFIELD, G:E:, (1987), Whole-body protein utilization in humans. Med.Sci. Sports Ex., 19, 5 (Suppl.), p 157-165.
  • DAVIES, D., (1975), The centanaries of the Andes. London: Barrie and Jenkinds Ltd.
  • GORDON, K., (1987), Evolutionary perspectives on human diet. In: Johnston, F.E., (ed), Nutritional anthropology. New York: Mcgraw-Hill.
  • MICKENBERGER, V., (1989), Vegetarier im Hochleistungssport (Vegetarians and excellence in sport), Thesis, Institute of Sports Medicine, Goethe Universität, Frankfurt.
  • SLAVIN, J.L., McNAMARA, E.A., LUTTER,J.M.(1986), Nutritional practices of woman cyclists, including recreational riders and elite racers. In: Katch, F.I. (ed.), Sport, Health and Nutrition. Champaign, III.:Human Kinetics Publ., Inc., p 107-110.
  • STOLZENBERG, G., (1974), Hochleistung durch Ganzheitsernährung, Heidenheim (Brenz): Heidenheimer Verlagsanstalt.