International Vegetarian Union (IVU)
IVU logo

Warum ohne Fleisch!

Vortrag von Dr.phil. Ljuba Macovicka, am 5. EVU Kongress, Bratislava, Slovakia, 1995

EVU News, Ausgabe 1, 1996

[image: Dr.phil. Ljuba Macovicka] Liebe vegetarischen Freunde!

Oft höre ich die Frage: Welches sind die Hauptvorteile des Vegetarismus?

- Ich möchte versuchen, sie von meinem Standpunkt aus zu beantworten - vom Standpunkt der Bewohnerin eines kleinen Landes, in dem man ein halbes Jahrhundert lang über diese Sache weder reden, noch schreiben durfte und wo die Verhältnisse in dieser Hinsicht für uns äusserst ungünstig waren. Trotzdem haben wir durchgehalten. Unter solchen Umständen konnte man freilich nicht von Vorteilen, sondern eher von Nachteilen reden. Dabei haben wir uns mit dem bekannten Spruch von Bernard Shaw getröstet: "Der Tod ist besser als Kannibalismus!"

Die Lage hat sich jedoch geändert, als wir uns vor fünf Jahren der Welt gegenüber geöffnet haben. Wir haben bereits Rede - und Pressfreiheit, und endlich darf man Bücher und Zeitschriften mit vegetarischer Thematik herausgeben. Im Vergleich mit der übrigen Welt sind wir jedoch etwas zurückgeblieben und müssen uns sehr bemühen, Anschluss zu finden.

Zunächst wollen wir jedoch die Frage stellen, warum ein Mensch eigentlich Vegetarier wird. Darauf pflegt man verschiedene Gründe anzuführen, die man folgendermassen zusammenfassen könnte:

  1. ästhetisch - ethische
  2. gesundheitlich - prophylaktische und therapeutische
  3. ökonomisch - ökologische und
  4. modische Gründe
Jeder dieser Gründe konnte allein ein Thema für einen Vortrag ergeben.

Vor Jahren fragte ich einen bekannten Musiker, von dem man wusste, dass er 16 Jahre lang streng vegetarisch gelebt hatte, warum er Vegetarier geworden war und warum er schliesslich damit aufgehört hat. Die erste Frage beantwortete er lakonisch: "Aus ethisch - ästhetischen Gründen," - und die zweite - "aus gesellschaftlichen Gründen". Wie ich ihn kannte war mir klar, dass er zu hause im Privatleben die vegetarische Lebensweise beibehalten hat, während er auf den häufigen Tourneen, die mit seiner künstlerischen Tätigkeit verbunden waren, offensichtlich zu grosse Schwierigkeit gehabt hat.

Inzwischen begegnete ich mehreren Leute, die sich für die fleischlose Lebensweise entschieden haben, um sich von verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden zu befreien, wie z.B. von der beginnenden Arthrose der Hüftgelenke, von shwerem Rheumatismus, oder von hartnäckigem Ekzem.Sie ernährten sich fast oder ganz von pflanzlicher Rohkost und sie hatten - wie könnte es anders sein - Erfolg.

Schliesslich gibt es noch eine bemerkenswerte Gruppe von Natur- und Tierschützen, von denen sich mehrere bemühen , vegetarisch zu leben. Sie tun das aus dem Bewusstsein, dass viele Nahrungsmittel besser und zweckmässiger genützt werden könnten, ohne für die Tierproduktion vergeudet zu werden.Oekologische Gründe hängen nicht nur mit der Oekonomie , sondern auch mit dem ethischen Standpunkt zusammen - und so schliesst sich unser Kreis der Beweggründe - das heisst, alles hängt zusammen.

Wie ich bereits erwähnt habe, gibt es noch einen erwähnenswerten Beweggrund und zwar den modischen. Der Vegetarismus , von dem jahrelang nichts zu hören war,ist relativ neu, und deswegen ist er auf einmal attraktiv geworden. Die Leute hoffen, eine schlanke Figur zu bekommen und ein jugendliches Aussehen zu bewahren. Die Zukunft wird allerdings zeigen, wer von diesen neugebackenen Vegetariern durchhalten wird.

Im Fernsehen wurde ich einmal gefragt: "Wie wird man Vegetarier?". Als ich darüber nachgedacht hatte, musste ich antworten:"Man wird einfach als Vegetarier geboren!" Ich wollte damit jedoch nicht sagen, dass man von Anfang an Vegetarier sein muss. Der Mensch ist ein unermesslich kompliziertes Wesen. In seinem Unterbewusstsein sind Erkenntnisse und Erfahrungen tausender und abertausender Generationen gespeichert. Ausschlaggebend davon ist nur das, was dominiert. Und so gibt es Einzelwesen, die gewisse Gegebenheiten auf diese Welt mitbringen. sagen wir einen Widerwillen, sich von den Leichen geschlachteter Tiere zu ernähren. Viele Menschen versuchen unwillkürlich, eine Lebensweise zu finden, bei der ihre Existenz nicht von ständigem Blutvergiessen und den Qualen unschuldiger Geschöpfe abhängig ist. Falls sie genug Zivilcourage haben, um sich der eingebürgerten geistlosen Konvention zu widersetzen, sowie die Entschlossenheit, gewisse gesellschaftliche Einschränkungen zu ertragen, genügt oft schon ein kleiner Anstoss, damit sie ihre Lebensweise ändern.

Viele Kinder kommen mit einer angeborenen Abscheu gegen die Fleischnahrung zur Welt. Das Töten und der Anblick des Blutes bringt sie zum Entsetzen. Und das ist genau das Symptom, wodurch sich die Jungen der Früchteesser von denen der Raubtiere unterscheiden. Empfindliche Kinder können den Gedanken nicht ertragen, dass sie die Körperteile ihrer getöteten behaarten oder gefiederten Spielgenossen essen sollen. Und ihre Eltern haben Probleme damit, wie sie den Widerspruch zwischen der Erziehung zum Mitgefühl mit den Lebewesen und der Notwendigkeit, sie brutal zu erschlagen, zu kochen und aufzuessen, pädagogisch bewältigen sollen. Schon ein flüchtiger Blick in die Geschichte zeigt uns, dass von alters her jede Zeit ihre Reformatoren - Denker und Propheten - hatte, welche die Menschen lehrten, wie sie leben sollten. Die Gründer der Religionen brachten ihre inneren und äusseren Erlebnisse nicht nur hinsichtlich der Moral, sondern auch hinsichtlich der Lebensweise und Hygiene in die Religionsvorschriften und Rituale ein. Von der Antike an sind uns auch die Namen der bedeutendsten Aerzte bekannt, deren Erfahrungen und Kenntnisse im Grunde mit den Ergebnissen der neuesten Forschungen übereinstimmen. Sie alle waren jedoch mehr oder weniger Einzelerscheinungen und ihre Erkenntnisse hatten für die offizielle Wissenschaft keine genügende Beweiskraft. Die "Gebildeten" betrachteten sie als unwissenschaftlich. Trotz allem häuften sich die Beweise über ihre Richtigkeit, bis sie zu Beginn unseres Jahrhunderts den Charakter einer seriösen wissenschaftlichen Dokumentierung erhielten.

Da man in einem kurzen Referat nicht alle nennen kann, werde ich nur zwei der bekanntesten Persönlichkeiten erwähnen, die den Mut hatten, im Namen der Wahrheit aufzutreten.

Der erste war der dänische Arzt Mikkel Hindhedde, der das Eiwessdogma endgültig widerlegte. Während des ersten Weltkrieges rettete er Dänemark, welchem zur Zeit der Blockade die Hungersnot drohte, durch das Verbot der Schweinezucht, indem er die zum Verfüttern bestimmten Produkte den Bewohnern zur Verfügung stellte, und es im ganzen Land nur erlaubt war, grobes Vollkornbrot zu backen. Das Ergebnis dieser Massnahme war überraschend: Auf einmal waren im Land genügend Nahrungsmittel für alle da, die Krankheiten und die Sterberate gingen auffallend zurück und die Aerzte beschwerten sich über Arbeitsmangel. Von dieser Erfahrung, die man als ein erfolgreiches Experiment mit einem Volk von 3 Millionen bezeichnen kann, erfahren die Medizinstudenten leider gar nichts.

Der zweite war unser vegetarischer Klassiker, der Schweizer Arzt Max Bircher-Benner, der Bahnbrecher für Vollkorn und Rohkostdiät. Ueberzeugende Ergebnisse seiner Beobachtungen und Heilverfahren sind in zahlreichen Publikationen festgehalten.Trotzdem galt er auch weiterhin als "Outsider". An ihn knüpften viele andere an. Ihre Erkenntnisse mehrten und präzisierten sich. Erst nach dem Ende des zweiten Welkrieges fing endlich die wissenschaftliche Erforschung der Nahrungswirkung auf unsere Gesundheit an, die sich auf statistische Angaben von verschiedenen Ländern stützte.Vor ihren unwiderlegbaren Beweisen werden sogar der verbissendsten Gegner des Vegetarismus kapitulieren müssen, dieselben , welche uns lange Jahre überzeugen wollten, dass man ohne Fleisch nicht leben kann, und dass unser Gesundheitsgrad vom Quantum der verzehrten Proteine abhängig sei.

Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass jeder Fortschritt sehr mühsam zustande kommt.und sich nur langsam durchsetzt. Alles Neue entfacht in der regel eine mächtige Re-aktionswelle. Die Menschen zeichnen sich durch den Widerwillen aus, etwas an ihren Gewohnheiten zu ändern: für alles finden sie sofort Erklärungen und Argumente, die meistens weit von der Wahrheit entfernt sind. Ihre Ueberlegungen verfolgen meistens nur ein Ziel - nämlich die Motive dafür zu finden, das weiterhin glauben zu können, was sie bisher geglaubt haben.

Die gemeinsame Erkenntnis all dieser Forscher ist die Feststellung, dass im Interesse der allgemeinen Gesundheit, sowie zur Rettung unseres Planeten die Orientierung hin zur pflanzlichen Nahrung unbedingt erforderlich ist. Es ist erwiesen, dass die Fleischnahrung für den Menschen ungeeignet ist. Es gab doch ganze Völker, die für ihren Lebensunterhalt kein Fleisch, ja sogar keine Milchprodukte gebrauchten.Noch vor wenigen Jahrhunderten lebte der überwiegende Teil der europäischen Bevölkerung (90-95%) auf dem Lande und ernährte sich mehr oder weniger von einer natürlichen Pflanzenkost. Das Fleisch stellte einen Luxusartikel dar, der einer kleinen feudalen Gesellschaftsschicht vorbehalten war, die aber infolge solcher Lebensweise an physischer und psychischer Degeneration litt. Doch gerade diese moralisch degenerierte Schicht beherrschte das Volk und zwang es, für ihre Machtinteressen zu kämpfen. Das Resultat davon war - und ist noch heute - eine Geschichte voller Verbrechen und Grausamkeiten. Aufgeklärte Herrscher, die Frieden und Fortschritt anstrebten, waren eher eine Ausnahme.

Im letzten Jahrhundert bedrohte diese Gefahr die ganze zivilisierte Menschheit. Der Fleischkonsum, - nicht zu sprechen vom Alkoholkonsum - ist um das Vielfache gestiegen und allen Schichten zugänglich gemacht worden. Während der Jahre des Komunismus wurde er bei uns sogar offiziell unterstützt und zum Fetisch erhoben. Man glaubte, den Arbeitern das garantieren zu müssen, was vorher das Privileg der Herrschenden gewesen war. Dass Alkohol und Drogen Geisseln der Menschheit sind, das lernen schon die Schulkinder. Von der Schädlichkeit des Fleischkonsums weiss die Oeffentlichkeit noch immer verhältnismässig sehr wenig: sie ahnt nicht, dass sie täglich Gifte konsumiert Der falsche Eindruck von der Unschädlichkeit der Fleischnahrung entsteht dadurch, dass ihr Einfluss erst in der zweiten und dritten Generation markant zu Tage tritt. Der französische Lungenspezialist Paul Carton stellte schon in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts fest, wie sehr sich der gesundheitszustand der ländlichen Familien verschlechterte, wenn sie nach dem Erreichen eines gewissen Wohlstandes in die Stadt uuml;bersiedelten und die städtische Lebensweise mit reichlichen Fleischspeisen übernahmen: die zweite Generation solcher vorher gesunden Familien wurde von Arthrrose befallen, und in der dritten Generation trat schon die Lungentuberkulose auf.Zweifelsohne wirkten hier noch andere Bedingungen mit, welche die Oeffentlichkeit anzuerkennen gewillt ist. während sie die Fleischnahrung gar nicht beschuldigt. Von ähnlichen Beobachtungen ist allerdings schon genug geschrieben worden. Auch ich selbst könnte ähnliche Fälle aus meinem Verwandten- und Bekanntenkreis erwähnen. Die erste der Fleischnahrung annehmendenGeneration war noch widerstandsfähig und verhälnismässig langlebig. worauf öfters hingewiesen wurde:"Sehen Sie, sein ganzes Leben hat er Fleisch gegessen - fast dreimal täglich - und er wurde weit über achtzig.!" Die zweite Generation solcher Familien kämpft schon mit Krabkheiten, die oft rätselhaft erscheinen. In der dritten Generation, wenn sie inzwischen nicht zur Besinnung gekommen ist, gibt es schon wahre Krüppel. Mir sind jedoch auch andere Fälle bekannt: Bei dem Sohne eines Dorfmetzgers und Gastwirtes gewann der Selbsterhaltungstrieb die Oberhand , sodass er noch verhältnismässig jung zum strengen Vegetarier wurde und in guter Gesundheit ein hohes Alter erreicht hat.Bekannte Beispiele solcher Umkehr sind auch die Eheleute Are und Ebba Waerland.

Bircher-Benner hat darauf hingewiesen, dass die Widerstandskraft gegen Infektionen schon bei der Geburt infolge falscher Ernährung der vorherigen Generation geschwächt sein kann. Kinder von Eltern, die viel Fleisch essen, bekommen selbstverständlich auch regelmässig Fleischspeisen. Manche leiden an häufigen Verdauungsstörungen und bleiben trotz reichhaltiger Kost auffallend mager, hingegen verfallen andere, vielleicht sogar ihre Geschwister , vorzeitig der Fettsucht. In beiden Fällen ist es ein klarer Beweis dafür, dass ihre Drüsen minderwertige Arbeit leisten . Die häufigsten Krankheiten solcher Kinder sind Asthma, Heuschnupfen und Migräne, nicht zu vergessen die Herz-, Leber-, Nieren- und anderen Krankheiten in späteren Jahren. Heutzutage haben wir sogar schon Kinder mit Krebserkrankungen.! Solche Patienten erwarten mit ihrer ganzen Zuversicht eine Rettung von einer "wunderwirkenden" Medizin, die womöglich vom Ausland stammt und sie von all ihren Problemen befreit, ohne dass sie selbst dafür auch nur etwas tun müssten. Dieses "wunderwirkende" Heilmittel ist aber in Wirklichkeit sehr einfach: Es ist bloss eine natürliche Ernährung, verbunden mit einem gesunden Lebensstil. Nur sie allein kann die Ohnmacht der Betroffenen beseitigen. Sie kann ihre körperliche Gesundung herbeiführen und in den Menschen eine neue Lebensfreude wecken. Leider aber wird diese Erkenntnis nicht jedem zuteil.

Mit einem geschwächten Immunsystem hängen die heutzutage so oft diskutierten Allergien zusammen. Sie waren schon in Birchers Zeiten bekannt; er selbst nannte sie "Idiosynkrasien". Auf Grund seiner Beobachtungen konnte er feststellen, dass auch hier die falsche Ernährung mitwirkt: Wenn sich der Betroffene eine genügend lange Zeit richtig ernährte, verschwand seine Ueberempfindlichkeit. Dadurch hat er bewiesen, dass man nicht die Allergene als Ursache betrachten muss, sondern die Verunreinigung des Organismus. Heute wird die Schuld auf die verschmutzte Umwelt geschoben. Sicher ist etwas Wahres daran, jedoch muss man als Hauptursache auch heute die unnatürliche Ernährung ansehen, wofür wir unwiderlegbare Beweise haben.

Unsere Vorfahren wussten von einer richtigen Ernährung soviel wie nichts, sie hatten aber den Vorteil, dass ihre Nahrungsmittel nicht durch industrielle Behandlung denaturiert wurden, und dass die ökonomischen Verhältnisse sie zur Määssigkeit zwangen. Die heutige Konsumgesellschaft hat diese Vorteile nicht. Nichts schränkt sie ein, und die Werbung verleitet sie dazu, ihr Geld für unnütze Erzeugnisse zu verschwenden. Die ungeheure Vergeudung von Nahrungsquellen zwingt uns zu überlegen, wann die Menschheit zur Besinnung kommen wird, und mit den Nahrungsmitteln ökonomisch umgeht. Das nicht im Sinne von Eigengewinn, sondern im Sinne ihrer zweckmässigen Ausnutzung zum Nutzen und Wohle aller. Die Nahrung des heutigen Durchschnittsbürgers ist - was die Menge betrifft -ausreichend, jedoch fehlt sehr Wesentliches, was der Körper braucht: nämlich die notwendigen Mineralien und Basen, Vitamine und Enzyme. Sie leidet des nötigen inneren Gleichgewichtes und (trotz des übermässigen essens) eine verborgene Unterernährung. Ein solcher Mensch verbraucht grosseMengen von Speisen, wodurch er zwar das Gefühl des Sattseins hat, dadurch jedoch die Bedürfnisse seines Körpers nicht befriedigt. Kurz danach wird er von neuem hungrig sein und wiederum etwas "zwischendurch" zu sich nehmen - mit mehr oder weniger gleichem Resultat. Sein Organismus wird gezwungen, unangemesse grosse Mengen Nahrung zu verarbeiten , die übrigens nichts anderes als "Volumenfutter" ist. Sein Stoffwechsel ist nicht imstande, dauernd eine solche Aufgabe zu bewältigen. Dabei sind die Bedürfnisse unseres Organismus sehr bescheiden, wenn wir Quantität durch Qualität ersetzen.

Die Wechselbeziehung zwischen der Ernährung und den seelischen Zuständen ist uns seit langem hinreichend bekannt. Organe, die infolge unnatürlicher Ernährung ungenügend arbeiten, werden oft zur Ursache psychischer Entgleisungen. Meistens handelt es sich um harmlose Störungen, wie Depressionen, verschiedene Neurosen, Melancholie, gereizte Stimmung usw. Die Psychiater erklären, die Hauptursache sei ungenügende, oder aber übermässige Tätigkeit der innersekretorischen Drüsen. Sie haben vollkommen recht: die Drüsen erhalten nicht das , was sie brauchen, und können demzufolge nicht zuverlässig ihre Arbeit leisten.

Fast jeder zweite Patient beklagt sich heute über die "Nerven". Dazu kommt ein neues Gespenst, der Stress. Das moderne Leben stellt erhöhte Ansprüche , die nicht jeder zu ertragen und zu bewältigen vermag. So entstehen Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, den Generetionen, und der Eifersucht , des Neides, der Böswilligkeit der Rachsucht und der Vergeltungssucht kommen auf. Die Folgen sind oft die Flucht in die Arme des Alkohols, der Drogen, der Glücksspie, des Sex' und des Verbrechens . Wo befindet sich die Grenze zwischen dem Normalen und dem Abnormalen? Unwillkürlich deängt sich uns die Frage auf, ob dies alles nicht im Zusammenhang steht mit der Vergiftung durch die unnatürliche und entartete Ernährung.Man könnte das Gesetz von Ursache und Wirkung in Betracht ziehen: Zuerst die Denaturierung der Hauptnahrung des Menschen, des Getreides. Daraus entstanden ein unnatürlicher Hunger nach Fleisch und Fettspeisen, die letzten Endes die Hilfe von Alkohol und Drogen fordern. Wie anders könnte man sonst das nie dagewesenen Anwachsen vom Negativismus, der Intoleranz, der Brutalität, der sexuellen Ausschweifungen, der Aggressivität, des Fanatismus, des Wandalismus und der unsinnigen Kriegskonflikte erklären, die grenzenloses Leid über Millionen von Menschen gebracht haben? Tolstoi sagte: "Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Sclachtfelder geben!"

Nun können wir zu unserer Ausgangsfrage zurückkehren: Welches sind die Hauptvorteile des Vegetarismus? Die Antwort ist sehr einfach:

Eine viel bessere Gesundheit, ein gutes Gewissen, und die daraus resultierende innere Ruhe, seelisches Gleichgewicht und das Gefühl der Freiheit. Davon ist die heutige Menschheit jedoch noch ziemlich weit entfernt.

Obwohl wir von unserer Lebensweise überzeugt sind, stossen wir immer wieder - mindestens in unseren Verhältnissen - auf Diskriminierung. Diese zeigt sich nicht nur in der gesellschaftlichen Atmosphäre, sondern auch in der ökonomischen Denkweise und Geschäftsstrategie unserer Regierung. Unter dieser Diskriminierung leiden besonders unsere Kinder. Sie können nicht die Kindergärten besuchen, sich nicht an Schulhorten und Ferienlagern beteiligen. Sie sind mehr oder weniger gezwungen, in der Isolation zu leben.

Und wir Erwachsenen? Auch heute noch haben wir Probleme mit der Verpflegung in Hotels, Pensionen, im Urlaub und in Seminaren. Die absurde Politik teilt die gesunden, natürlichen Lebensmittel in die Kategorie der sogenannten "Luxusartikel" ein. Das heisst, sie werden mit 25% Mehrwertsteuer belastet, während die denaturierten Nahrungsmittel sich in der Kategorie mit nur 6% Mehrwertsteuer befinden. Wir sind in eine Situation geraten, wo der gewöhnliche Weizen teurer ist als das Mehl. Junge Leute, die ihre Kinder gesund ernähren möchten, werden gezwungen, ihnen Naschwerk statt Trockenobst und Nüsse zu kaufen, weil sie sich diese gesunden Produkte einfach nicht leisten können. Man zwingt uns, in einer erstörten Umwelt zu leben, und unter den Agressionen jener Leute zu leiden, deren Psyche infolge unnatürlicher Nahrung gestört ist. Wir wollen niemandem unseren Lebensstil aufzwingen. jedoch dürfen wir das Ziel unserer Tätigkeit nicht aus den Augen verlieren: Nämlich das gesellschaftliche Bewusstsein so zu verändern, dass man uns nicht mehr als Sonderlinge, sondern als wissende und bewusst lebende Menschen betrachtet.