International Vegetarian Union
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FAQ Häufig gestellte Fragen - Streitfragen
Fleisch von Rindern aus dem Regenwald - zwei verschiedene Sichtweisen zur Situation.

Häufig werden die großen Hamburger-Ketten angeprangert, für die Rodung großer Teile des Regenwaldes in Latein-Amerika verantwortlich zu sein.
Dies ist nicht wahr, und es immer und immer wieder zu sagen lässt uns nur schlecht aussehen, da kenntnissreiche Fleischesser diese Aussage einfach widerlegen können.

Die Situation ist wie folgt: insbesondere in Brasilien aber auch in vielen anderen Regionen, verkaufen die Regierungen Land zu Niedrigstpreisen an "Entwickler", um ausländische Kredite abzahlen zu können, so lange sie etwas tun können, um das Land zu "entwickeln".
Der billigste Weg, dies zu tun, ist, das Land zu roden und für die Rinderzucht zu nutzen.

Deshalb ist die Rinderzucht ein Hauptgrund für die Rodung dieser Gebiete.
Das Problem dabei, diese Tatsachen auf die Unverantwortlichkeit, einen Whopper zu essen, umzumünzen ist: ein Fleischesser, der sich auskennt, kann Ihnen sagen, dass die meisten lateinamerikanischen Rinder an der Maul-und-Klauenseuche leiden und Land verschwenden einfach nur, weil sie nicht als Rindfleisch verkauft werden dürfen.

Daraus resultiert, dass der Amazonas ein reiner Rinder-Importeur und außerdem ist der Boden im Regenwald so arm an Nährstoffen, dass er nur für ein paar Jahre als Weidegrund dienen kann.
Ein ausgezeichnetes Buch zu diesem und anderen Themen den Regenwald betreffend ist "The Fate of the Forest" von Susana Hecht und Alexander Cockburn.

Andere Quellen legen den Verdacht nahe, dass, währnd Südamerika ein reiner Rinderimporteur IST (wobei die riesigen Mengen an verarbeitetem Rinderfleisch ignoriert werden, die aus Argentinien und Brasilien in die USA exportiert werden) Zentralamerika lebende Rinder in die U.S. exportiert
Diese Kühe tragen das Etikett U.S., wenn Sie über die Grenze gehen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in dieser Angelegenheit ist, dass diesen Rindern Soja verfüttert wird, das auf Regenwald-Boden angebaut wird und in riesigen Mengen exportiert wird, um auch an die Rinder in anderen Ländern verfüttert zu werden.
Es ist unmöglich, zu behaupten, dass die in den USA verkauften Hamburger nicht direkt oder indirekt für die Zerstörung des Regenwaldes verantwortlich sind.
Es ist unmöglich zu sagen, dass die USA KEIN Rindfleisch aus dem Regenwald importieren.

Selbst wenn das Rind selber nicht auf Regenwaldboden gezüchtet wurde, so trifft das doch mit ziemlicher Sicherheit für das Futter zu, das sie gefressen hat.

Sind die meisten Vegetarier Liberale oder Konservative?

von einem Leser aus Australien:
Hängt davon ab, über welches Land wir sprechen. "Liberale" in Australien sind wie "Konservative" in Großbritannien. Im Allgemeinen ist es nicht möglich, eine Unterscheidung auf Basis der Politik anzustellen, aber Leute, die in den "Grünen" Parteien aktiv sind, sind vielleicht unter Umständen eher Vegetarier als andere.

von einem Leser aus England:
Wen kümmerts?

Was sagt die Religion über den Vegetarismus?

Bitte beachten Sie: Religion and Vegetarianism zu Artikeln zu allen großen Religionen.

FAQ-Index

Tiernamen kontra Fleischnamen

Es handelt sich um ein weitverbreitetes Missverständniss und wird oft falsch von Vegetariern aufgefasst, dass der Gebraucht von Wörtern wie pig(Schwein)/pork(Schweinefleisch), calf(Kalb)/veal(Kalbsfleisch), cow(Kuh)/beef(Rindfleisch), sheep(Schaf)/mutton(Schaffleisch) und so weiter, wie es in verschiedenen Sprachen vorkommt etwas damit zu tun hat, dass die Fleischesser versuchen, sich selbst vorzumachen, sie würden kein Fleisch essen. Dies ist nicht der Fall.

Im England des Mittelalters waren die Bauern angelsächsisch, die Aristokratie jedoch normannisch-französisch, was von der Eroberung Englands im Jahre 1066 durch "William of Normandy", wie er in England heißt, herrührt. Die Aristokratie zwang die Bauern, sich um die Tiere zu kümmern, Fleisch essen durften sie jedoch so gut wie nie (bitte beachten Sie den Thread "Food in England", um weitere Einzelheiten zu erfahren).

Die Bauern nannten die Tiere bei ihren angelsächsischen Namen - pig, calf, sheep und so weiter aber die Aristokratie, die das Fleisch aß nannte dies beim französischen Namen für die selben Tiere - porc (pig), veau (calf), boeuf (ox or bullock), mouton (sheep).

Diese Worte wurden im Laufe der Jahrhunderte allmählich ins Englische integriert aber die Unterscheidung der Worte für die Tiere und ihr Fleisch ist in jedem englisch-sprachigen Land bis heute zu erkennen. Tiere, die eher selten von der Aristokratie verspeist wurden wie etwa Huhn (chicken), Truthahn (turkey), Hase (rabbit) und so weiter haben deshalb auch keine zweigeteilten Bezeichnungen.

Ist es möglich, als Vegetarier einen Menschen als Partner zu haben, der Fleisch isst?

von einer Leserin aus Kalifornien:
Ich bin seit 14 Jahren Vegetarierin und mein Mann ist kein Vegetarier.
Ich denke, dass unsere Unterschiede bezüglich der Ernährung keine Probleme verursachen weil wir die Position des jeweils anderen respektieren. Er verlangt von mir nicht, dass ich ihm ständig Fleisch zubereite und ich mache ihm keine Vorwürfe, weil er Fleisch isst.
Wir versuchen, mindestens einmal in der Woche essen zu gehen, so dass er Fleisch essen kann. (Wobei wir das mittlerweile nicht mehr so häufig machen, weil wir inzwischen eine Satellitenschüssel haben und er sehr gerne Icehockey sieht. Es ist ein brutaler Sport aber nicht so brutal, wie das, was beim Schlachter geschieht.)
Ich habe immer ein paar gefrorene Fleisch-Speisen im Haus und er weiß, dass er, wenn er Lust dazu hat, auch gerne bei meinen vegetarischen Gerichten mitessen kann.
Mein Mann hat sich nie darüber beschwert, dass ich mich vegetarisch ernähre, vielmehr hat er meine Einstellung gegenüber anderen verteidigt, die mich wegen meiner Ernährung belächeln. Im Gegenzug lass ich ihm seine Freiheit, indem ich mich nicht darüber beschwere, wenn er Fleisch isst.

von einem anderen Leser:
Ich bin seit 10 Jahren Vegetarier und heirate eine Person, die Fleisch liebt. Der Hauptgrund für mich, Vegetarier zu sein, ist, dass ich es mir selber aussuchen kann - ich entscheide mich jeden Tag neu dafür, kein Fleisch zu essen. Ich verurteile niemanden, der sich anders entscheidet, da ich es schon immer gehasst habe, für Entscheidungen verurteilt zu werden (gibt es sonst noch jemanden, der sich für seine Entscheidungen vor völlig fremden Menschen rechtfertigen musste?). Es ist tatsächlich so, dass es mir nicht mal etwas ausmacht, für meinen Schatz zu kochen (obwohl mein Repertoire etwas eingeschränkt ist, da ich schon so lange nicht mehr gekocht habe). Ich bin seit langem davon überzeugt, dass ich mich auch aus Gründen des Genusses entschieden habe - ich habe mich entschieden, nichts zu essen, dass gestorben ist und früher ein Gesicht hatte. Wenn ich für meinen Freund koche, das Fleisch aber nicht esse, habe ich meiner Ansicht nach nichts falsch gemacht.

von einer Leserin aus Südkalifornien:
Für mich persönlich ist es eine komische Vorstellung, mich in jemanden zu verlieben, der Fleisch isst. Zumindest war das noch nie der Fall. Meine Vorstellungen über soziale, ethische und umwelttechnische Probleme, die mit Fleisch zusamenhängen, sind ziemlich tiefgehend. Die meisten meiner Freunde sind keine Vegetarier, was mich aber nicht weiter stört. Aber wenn es um Liebe geht, wäre es schwierig für mich, wenn man nicht gewisse Abmachen erstellen könnte. In dem Teil der Welt, in dem ich lebe, bedeutet das eigentlich, dass ich mich in so gut wie niemanden verlieben dürfte, aber ich bin zufrieden damit.

von einer Leserin aus Australien:
Ich lebe seit 7 Jahren glücklich mit meinem Partner zusammen, der kein Vegetarier ist. Es ist eine interessante Situation für mich, da nicht nur er ein ziemlicher Fleischliebhaber ist sondern auch alle seine Freunde und seine Familie! (Einige seiner Verwandten arbeiten in der Schlacht-Industrie.) Lebe ich also ein verlogenes Leben entgegen meiner Überzeugungen? Oder bin ich eine Botschafterin für den Vegetarismus? Es wäre sicherlich leichter, wenn mein Partner auch Vegetarier wäre. Aber man findet irgendwann heraus, dass man, wenn man sich dafür entschieden hat, Vegetarier zu sein, auf Probleme stößt, die Fleischesser nicht haben. Wenn man sich aber ganz einfach mit den Fleischessern auf eine Stufe stellt, weil eben niemand besser ist, wird man überrascht sein, was man alles erreichen kann!

Ich bin doch nur eine Person. Wie soll ich alleine denn die Gewalt stoppen, die Tieren täglich angetan wird?

von einer Leserin aus den USA:
Alle großen Veränderungen passieren langsam. Wenn wir den anderen unsere Überzeugung vorleben, werden sie es uns vielleicht nachmachen und das wiederum wird andere Leute dazu animieren, das Selbe zu tun. Das ist ein Schmetterlingseffekt, der eines Tages die ganze Welt verändern kann. Aber was, wenn wir eigentlich niemanden beeinflussen wollen? Indem wir unsere Überzeugung leben, können wir nachts ruhigen Gewissens schlafen, weil wir wissen, dass nicht ein einziges Tier wegen uns leiden oder gar sterben musste.

von einer Leserin aus Portugal:
Nun, Gandhi war mit Sicherheit der erste in seiner Gemeinschaft, damals in Südafrika, wo er Jura studierte, der an ein freies Indien glaubte, ohne die Ausbeutung der Engländer. Trotzdem bekam er, was er wollte - ein freies Land.
Andererseits können Sie ihre Entscheidungen als persönlich betrachten, und nicht als solche, die die Welt verändern sollen. Einige Menschen sind ganz einfach für sich selber Veganer, das bedeutet, dass sie sich Gedanken darüber machen, dass sie so nicht länger Tieren wehtun - hierbei geht es den Veganern aber nicht darum, die Welt zu verändern. Stellen Sie sich vor, dass Sie der einzige nicht rassistische Mensch in ihrem Block/ihrer Straße/ihrem Wohnort sind. Würden Sie Ihre Ansichten verändern, nur weil Sie die einzige Person sind, die so denkt wie Sie?

Deutsche Übersetzung von Stefanie Winkelmann
Betreut von Bettina Rehberg - german@ivu.org