Internationale Vegetarier-Union (IVU)
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Genmanipulation
Kann es alles so schlecht sein? Frag' die Tiere!

Von Claude Pasquini
IVU News - August 1999

Ich biete Ihnen ein paar Gedanken zur Genmanipulation an, wie sie sich zur Tierrechtsdebatte und unserem "World-Wide Millenium Pledge" verhält. Da ist natürlich noch so viel mehr drüber zu sagen, aber ich hätte gern, dass sich unsere Leser des Themas in "Briefen an die Redaktion" annehmen, so dass wir diese irgendwann veröffentlichen und in einem wissenschaftlichen Forum diskutieren können. - Dr. Claude Pasquini

In einer eMail an die IVU, drängt der Vegetarier und Fast-Veganer VUNA/IVU-Mitglied Dr. Emanuel Goldman, Professor der Mikrobiologie und Molekulargenetik, die Förderer des "World-Wide Millenium Pledge" den gesamten Satz über Genmanipulation zu streichen. Der Satz, dem er widerspricht, lautet: "Wir sind gegen die Einführung von Tiergenen in menschliches Erbgut und gegen Genmanipulation von Tieren und Pflanzen". Und tatsächlich, die reine Tatsache, dass er schreibt, "Vom Tier gewonnene Gene können genmanipuliert und durch rekombinante DNS-Technologie in Bakterien, Hefen oder Pflanzen ausgedrückt werden" bietet uns was er "die realistischste Möglichkeit bis jetzt" nennt, die Menschheit von der Notwendigkeit des Tötens oder Ausnutzens von Tieren zu befreien.

Dank der DNS-Rekombination ist es uns möglich, Produkte von Tieren zu gewinnen, die uns und ihnen hilfreich sind, einschließlich zum Beispiel genmanipuliertem Insulin, Schilddrüsenhormone oder Lab, das letztere wird von vielen Vegetariern als ein wichtiger Schritt zur Rettung von Millionen von Kälbern bejubelt, Kälber, die sonst nur für die Käseindustrie getötet werden würden.

Vom veganen Standpunkt aus nützt diese Art der DNS-Technologie noch immer die Tiere aus, aber es hat auch das Potential, menschliche und tierische Krankheiten zu korrigieren ohne jemals wieder auf die Tierwelt für ihr Rohmaterial, die Gene, zurückgreifen zu müssen.

Pflanzen zu genmanipulieren, um sie gegen Pestizide resistenter zu machen, ist definitiv kein ökologisch wertvoller Weg, gesunde Nahrung zu produzieren. Aber genetisch in unsere Nahrung einzugreifen, um den Nährwert zu erhöhen ohne unsere Gesundheit zu gefährden, und um die Abhängigkeit von Pestiziden und Kunstdüngern zu reduzieren oder zu eleminieren wäre doch durchaus akzeptabel.

DNS-Technologie braucht nicht dem persönlichen Interesse der großen Landwirtschaft zu dienen; es muss auch nicht eine angewandte Wissenschaft der Wissenschaft wegen sein, noch sollte sie genützt werden nur weil es möglich ist. Keinesfalls sollte sie ein Spielplatz für Frankenstein-Charaktere sein, die nur transgene Tiere produzieren und nützen wollen, während sie die enormen Risiken der Xenotransplatationen von einer Spezies zur anderen außer Acht lassen, sei es Teil des Tier- oder Pflanzenreiches oder aus der Welt der Bakterien. DNS-Technologie könnte jedoch sehr gut ein Mittel zur Vorbeugung gegen Erderschöpfung sein, zum Schutz des Trinkwassers, zum Kampf gegen den Welthunger und zur Rettung von freien Flächen für den Nutzen der Menschheit und des Wildlebens.

Natürlich sind die Ängste und Befürchtungen wegen der Genmanipulation gerechtfertigt. Und wir müssen äußerst vorsichtig sein mit dem was wir tun und wer was zu welchem Zweck macht. Schließlich basteln wir mit Evolutionsprozessen rum, die dazu neigen, seltsame Dinge zu den Bausteinen des Lebens zu tun. Vergessen wir nicht, dass wir in unserer gesamten agrikulturellen Vergangenheit mit Arten der Genmanipulation herumgestümpert haben. Falls Genmanipulation hier bleiben sollte, versichern wir uns besser das mehr und mehr Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinde vom Typ Goldman sind, soll heißen, realistische, ethische, und ökologisch bewusste Vegetarier, Fast-Veganer, und noch besser Veganer.

Die viel diskutierte und sehr lesbare Aussage von Dr. Goldman kann in den IVU-ON-LINE NEWS, Nummer 3, Februar 1999 gefunden werden.

Briefe an Dr. Claude Pasquini betreffend das obige Thema oder Vegetarismus und Wissenschaft sind äußerst willkommen.
Kontaktadresse: devegabond@hotmail.com

Deutsche Übersetzung von Isabelle Perkins

Beiträge zu den IVU-News sind willkommen. Das veröffentlichte Material gibt nicht notwendiger Weise die Meinung des Herausgebers oder die Politik der Internationalen Vegetarier-Union wieder.
Betreut von Bettina Rehberg - german@ivu.org