Internationale Vegetarier-Union (IVU)
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IVU News

Das Institut für Ernährung auf Basis pflanzlicher Erzeugnisse
von James Oswald
IVU News - März 2000

Die Ernährung auf Basis pflanzlicher Erzeugnisse wird als Sammlung von Diätvorschriften definiert, die Nahrungsmittel vereinigen wie etwa Algen, Pilze, Rinden, Beeren, Kleie, Knollen, Enzyme, Stärke, Blumen, Gräser, Säfte, Blätter, Mikroben, Öle, Hülsenfrüchte, Pollen, Wurzeln, Samen, Sprossen, Stängel, Halme, See-Gemüse, Zweige, Reben, Hefen und ihre Extrakte wie Aufgüsse, pflanzliche Vitamine und Mineralien. Diese Ernährung klassifiziert Gemüse als facettenreiche Kategorie, die beispielsweise Früchte (Tomaten), Stängel (Sellerie) und Knollen (Kartoffeln) enthalten kann und der Begriff Samen umschließt hier auch Körner, Hülsenfrüchte und Nüsse. Innerhalb dieser Klassifizierung ist Rosmarin ein Blatt - ebenso, wie es ein Kraut und ein Gewürz ist, ein Königsfarn ist ein Stängel, gleichzeitig aber auch ein Blatt und irisches Moos ist eine Anhäufung von Blättern eines Seegemüses.

Die vielleicht lebenswichtigste Nahrungs-Substanz ist pflanzliches Chlorophyll, welches Sonnenlicht in Proteine, Stärken und Zuckerarten umwandelt und sofort aufgenommen wird; seine Moleküle sind zum Häm im Blut von Sägetieren, mit der Ausnahme, das Chlorophyll ein Magnesium-Ion und Hä ein Eisen-Ion enthält. Beta-Carotin ist ähnlich wichtig, zusammen mit den Amino-Säuren und essentiellen Fett-Säuren. Auch Ballaststoffe werden als essentiell angesehen, äquivalent zu einem Nährstoff - wie im Fall von Kleie, die Fett bindet und den Cholesterin-Spiegel senkt. Um es zusammenzufassen: grüne Pflanzen sind das Wesentliche der menschlichen Ernährung.

Zusätzlich zum Verzehr von Nahrungspflanzen - ihren frischen, getrockneten, konservierten, tiefgefrorenen und in Dosen abgepackten Teilen und Substanzen - können diverse andere sogenannte veredelte oder verarbeitete Nahrungsmittel durch verschiedene Kombinationen und Prozeduren hergestellt werden. Hieraus kann zum Beispiel Kimchi oder Sauerkraut entstehen - vergorenes Gemüse, das reich an pflanzlichen Lactose-Bakterien ist; Tempeh - Soja-Bohnen, die von Pilzen umgewandelt wurden; "Weizenfleisch" oder Seitan - hergestellt durch das Auswaschen von Stärke und dem Entfernen des Gluten; Tofu oder Soja-Topfen - hergestellt durch das Vermahlen, Kochen, Filtern und Gerinnen der Feststoffe; Rübenbrei - vergoren, damit sich Mikroben ansiedeln, die Kobalt speichern und es als Vitamin B12 bereitstellen oder die Grundlage für das Entstehen wertvoller Hefen bilden; Weizenkörner - mit oder ohne Hitze zerdrückt, mit viel oder wenig Druck und mit oder ohne chemische Katalysatoren - um Öl zu gewinnen, aus dem durch weitere Verdichtung Vitamin E isoliert werden kann; Hafer-Ballaststoffe - zerlegt in Partikel, die so mikroskopisch klein sind, dass sie emulgieren und sich in Wasser als Hafermilch auflösen; diese Liste findet kein Ende, so lange Interesse daran besteht, die Geheimnisse der Natur aufzudecken und ansprechende Nahrungsmittel herzustellen.

 


Pflanzenbasierte Ernährung ist ganzheitlich. Während sie ihren Schwerpunkt in pflanzlichen Erzeugnissen hat, wird auch beachtet, dass die menschliche Gesundheit nicht allein von der Nahrung abhängt.

Mehr Vitamine als die, die wir heute kennen und zahlreichere Enzyme als die, die bereits katalogisiert wurden können in Flüssigkeiten, Pulvern, Emulsionen oder Wachsen gefunden, isoliert, extrahiert und gelagert werden, um sie aufzubewahren und später zur systematischen Nahrungsergänzung zu verwenden. Schließlich können Kombinationen von Pflanzenmaterialien sonnen-, gefrier- oder vakuumgetrocknet, pulverisiert und dann in jeder gewünschten Form verwendet werden.

Pflanzenbasierte Ernährung ist ganzheitlich. Während sie ihren Schwerpunkt in pflanzlichen Erzeugnissen hat, wird auch beachtet, dass die menschliche Gesundheit nicht allein von der Nahrung abhängt. Sonnenschein, Luft, Wasser und einige nicht-pflanzliche Mineralien sind notwendig zum Überleben und für die Gesundheit. Darum predigt sie auch richtiges Atmen - da sie festgestellt hat, dass Sauerstoff eine Grundlage menschlichen Lebens ist, sie fordert den angemessenen Verzehr von klarem Wasser - unter Beachtung von Quantität, Qualität, Temperatur und Häufigkeit des Verzehrs sowie dem Gehalt an Mineralien aus dem Meer und dem Boden. All das, zusammen mit entsprechender körperlicher Bewegung, Ruhe, Schlaf - und moralischen, ethischen, logischen, positiven, philosophischen und spirituellen Orientierungen - sind Formeln, die das menschliche Leben unterstützen. Sie tritt dafür ein, dass Pflanzen und all ihre Teile Lebewesen sind, deren Qualität von den Genen ihrer Samen, dem Boden, in dem sie wachsen, dem Wasser, mit dem sie gegossen werden und der Luft, die sie umgibt abhängt. Die pflanzenbasierte Ernährung akzeptiert den Körper als Ganzes und mahnt zum Verzehr von möglichst unbehandelter Nahrung, also Nahrung, die frische Nahrungsgrundstoffe enthält und möglichst wenig gekocht oder in anderer Form behandelt wurde. Proteine, Kohlehydrate, Öle, Enzyme, Vitamine, Stärken, Mineralien und Wasser, die/das in genießbaren Pflanzen zur Verfügung stehen, sind genug um das menschliche Leben zu erhalten und zu verbessern.

Im Mittelpunkt dieses Konzepts steht das wissenschaftliche Verständnis und die Einsicht des Fakts, dass es kein einziges menschliches Nahrungsmittel gibt, das seinen Ursprung nicht in einer Pflanze hätte.


Jim und Dorothy sind beide angesehene Pädagogen. Sie gründeten 1997 das Institut für Ernährung auf Basis pflanzlicher Erzeugnisse.

Web-Seite: www.plantbased.org

Deutsche Übersetzung von Stefanie Winkelmann

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