International Vegetarian Union (IVU)
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Vegetarier-Bund Deutschlands


Die Vegetarische Bewegung seit 1945
Neuanfang, Persönlichkeiten, Vereinsentwicklung

Nach 1945 wurde die vegetarische Bewegung neu organisiert; die Vereine wurden neu gegründet. Auf bestehende Organisationen oder Strukturen konnte nicht zurückgegriffen werden. In den Nachkriegsjahren setze sich bereits die dritte Generation von Vegetariern nach den Generationen Baltzer, Struve etc. und den Vertretern des Vegetarismus in den jahrzehnten nach 1890 für die vegetarische Idee und das Vereinswesen ein.

Neugründung nach 1945
Wichtige Vorarbeiten zu einem neün organisatorischen Zusammenschluß der Vegetarier leistete W.F.Adolf Briest (* 1895). Bereits 1944 suchte Briest einen Kreis Interessierter für eine Neugründung durch Anzeigen in der Zeitschrift „Der Wedenpunkt“, Briest war bereits seit 1930 überzeugter Vegetarier und war mit vegetarischer, stark auf Rohkost basierender Ernährung einem schweren Kriegsleiden erfolgreich begegnet. Der gelernte Kaufmann gründete in den Jahren 1931-33 in Hamburg die „Rohkostlehrer-Arbeitsgemeinschaft ROKOLA“, die „Rohkostförderung“, eine Musterspeisestätte mit Vortragszentrum und Warenverkaufstelle, die Genossenschaft „ROKOWA“sowie den „Reichsbund für pflanzliche Volksernährung und natürliche Lebensweise e.V.“. Sein Buch „Die Ernährung des denkenden Menschen“ erschein in drei Auflagen. Aus politischen gründen musste Adolf Briest nach 1933 seine Aktivitäten auf dem Ernährungssektor einstellen.

In Mai 1946 kamen erstmals nach dem Krieg Vegetarier in der Gartenbausiedlung Donnershag bei Sontra (bei Kassel) zusammen und leiteten die gründung der „Vegetarier-Union Deutschland (VUD)“ ein. Das sog. „Sonträr Manifest“ dokumentiert die gründung der VUD, aus dem sich der heutige Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. entwickelte.

„Um die völkerrechtliche Kraft des vegetarischen Gedankens neu aufleben zu lassen, sind auf Anregung von Adolf Briest, Süttorf, Krei Lüneburg, am 29. Mai 1946 erstmalig wieder Vegetarier aus verschiedenen Gegenden Deutschlands in der Gartenbausiedlung Sontra, Bez. Kassel zusammengekommen. Sie bekunden einmütig den Wunsch, die Vegetarier in Deutschland nun zu sammeln und zur Vegetarier-Union (VU) Deutschland zu vereinigen. Dieser Zusammenschluss soll unverzüglich die Verbindung mit der Internationalen Vegearier-Union wieder herstellen.“

Der VUD wurde ein Jahr später in das Vereinsregister Leuneburg eingetragen. Adolf Briest wurde erster Vorsitzender der VUD. Ihm folgten Heinrich Frantzen (1948-50) und Dr. jur. Ernst Waag, welcher den Verein bis zur Ablösung durch Geo Hiller (1955) leitete.

Gleichzeitig hatte Helmut Th. K. Rall aus besatzungsrechtlichen gründen die „Vegetarier-Union Ebhausen (VU)“ in der französischen Zone gegründet. Leitere wurde am 25. Mai 1948 in das Vereinsregister Nagold eingetragen. Die geplante Vereinigung der beiden Zonen-Unionen nach Bildung der Bundesrepublik Deutschland kam nicht zustande; die Organisationen bestandend in der Folgezeit nebeneinander fort. Die Vereinigung von Rall, die später das Vegetarische Universum herausgab, löste sich Mitte der 70er Jahre mit der letzten Ausgabe der Zeitschrift in Dezember 1975 weitgehend auf 1950 wurden sowohl die VUD wie die VU auf dem 12. Kongress der IVU in die Internationale Vegetarier-Union aufgenommen

Geo Hiller (1908-1985)
Mit Geo Hiller begann eine neü ära in der Geschichte der vegetarischen Vereinsgeschichte. Insbesondere der Zeitschrift widmete. Hiller große Aufmerksamkeit und Zeit und betonte ihre Bedeutung für die Verbreitung der vegetarischen Gedanken.

„.. Dass dem Vegetarismus die Zukunft gehört wird auch von denen nicht bezweifelt, die sich zu seiner Verwirklichtung in der Gegenwart nicht durchringen können oder wollen. Wir jedoch, die wir Wert darauf legen, das Zukünftige im buchstäblichen Sinne zu vergegenwärtigen, brauchen einen Vegetarismus, der in unsere Gegenwart paßt. Daher wollen wir bemüht sein, in unserer Zeitschrift jenes Niveau zu fordern und zu fördern, das uns zum Zukünftigen hin anhebt, statt uns uns Gestrige oder Unerhebliche gleiten zu lassen. Das Blatt, das allen Bestrebungen unserer Richtung offensteht, Diskussion und Meinungsfreiheit bewußt pflegt, aber die Wahrheit des Wesentlichen und die Beachtung formaler Ansprüche voraussetzt, soll entstehen ... Die Verantwortung, die wir damit übernehmen, ist uns bewußt“ (Geo Hiller, 1. Vorsitzender der VUD anlässlich der Neugestaltung der Zeitschrift 1956).

Geo Hiller wird vor allem den älteren Lesern und Mitgliedern vertraut sein. Sein Ausspruch Der konseqünteste Tierschützer ist Vegetarier“ charakterisiert sein Engagement für aktiven Tierschutz und ethischen Vegetarismus. Hiller hatte neben der Bundesleitung auch über viele Jahre hinweg die Schriftleitung der Zeitschrift „Der Vegetarier“ inne. Im Geschäftshaus von Geo Hiller, in der Blumenstr. 3 in Hannover, befindet sich heute die Geschäftsstelle des VBD. Das „Hiller-Haus“ wurde im Jahre 1956 errichtet: im Erdgeschoß wurde eine bis heute bestehende vegetarische Gaststätte eingerichtet.

„Der Vegetarier“ und das „Vegetarische Universum“
Adolf Briest hatte bereits in 1947, im Jahr der Eintragen der VUD ins Vereinsregister, die vegetarische Zeitschrift „Der Förderer. Schriftenfolge für sinnvolle Lebensgestaltung ins Leben gerufen, die bis 1950 erschien. Es folgten die Blätter „Mitteilungen der VUD, „Sie Mensch und „Der neü Mensch, die in loser Folge erschienen und die Mitglieder über die verschiedenen vegetarischen Themen, Veransstaltungen und Vereinsnachrichten informierte. Die Zeitschrift „Der Vegetarierwurde am 1. Januar 1956 Organ der damaligen VUD.

Ein Jahre später sollte die Zusammenlegung der beiden Zeitschriften Der Vegetarier (VUD) und der Vegetarier-Rundschau (Gemeinschaftswerk der Vegetarier Sontra) ein erster, symbolischer Schritt der Kooperation sein. Es erschienen jedoch nur 6 gemeinsame Nummern; bereits ab Juli 1957 erschien der „Sonträr Gesundheitsbote wieder unabhängig (Schriftleitung Oswald Kiehne, geb. 1900). Oswald Kiehne hatte bereits 1948 ein vegetarisches Nachrichtenblatt, später der „Sonträr Gesundheitsbote" begründet.

Neben „Der Vegetarier und „Sonträr Gesundheitsbote wurde von Helmut Rall von 1949 bis mitte der 70er Jahre das „Vegetarische Universum herausgegeben und redigiert. Diese „Zeitschrift für die gesamte Lebensreform und verwandte Bestrebungen erschien monatlich und entsprach in Format und Aufmachung einer Tageszeitung. Im Dezember 1975 erschien die letzte Ausgabe des „Vegetarischen Universums im 28. Jahrgang. Das vegetarische Blatt verstand sich als „Zentralblatt des Vegetarismus, der naturgemässen Ernährung, Heilkunst und Volkswirtschaft, für Friedenskultur und wahres Menschentum sowie als „Mitteilungsblatt verwandter Bestrebungen der Lebens-, Heil- und Wirtschaftsreform, der Naturheilbewegung, der Atem- und Freikörperkultur, des Impfgegnertums, der Abstinenz- und Antinikotinbewegung, der Frischkostbestrebungen, der Tierschutz- und Antivivisektionsbewegung, der biologischen Bodenbewirtschaftung, des Reformwarenhandels und der Reformwarenartikelindustrie.

Insbesondere die Leserreisen des „Vegetarischen Universums erfreuten sich grosser Beliebtheit. Diese sog. „Apfelfahrten" waren Gruppenreisen mit vegetarischer Kost. für einige der Pauschalreisen für Vegetarier wurden eigene Kurswagen gemietet und für Teilnehmer reserviert. Rall verband als Inhaber eines Reisebüros mit der Ausrichtung der Apfelfahrten seine beruflichten Möglichkeiten mit dem privaten Engagement für die vegetarische Idee.

Im Letzten ist Helmut Rall verstorben. Das „Vegetarische Universum und die damit verbundenen Aktivitäten wurden 1975 „bis auf weiteres eingestellt. Mit dem Ableben von Helmut Rall wurde eine etwaige Wiederbelebung der Zeitschrift „Vegetarisches Universum wohl endgültig gestrichen.

Vegetarische Kooperation und Rechburger Formel
In den 50er Jahren wurden einige Versuche der Zusammenarbeit der verschiedenen Vegetarierorganisationen unternommen. Den Anfang machte die im Sommer 1951 auf Anregung der IVU gegründete „Deutsche Vegetarier-Föderation DVF mit Jährlich wechselndem Vorsitz. Die DVF bestand jedoch nur ein Jahr.

Angesichts des Eintritts der Bundesrepublik Deutschland in die NATO und der Bildung der Bundeswehr wurde am 9.8.1956 die Institution „Rat der Deutschen Vegetarier Bewegung, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Vegetarierverbände gegründet. Sie wurde 1961 in „Deutscher Vegetarier-Rat umbenannt. Erster Vorsitzende wurde Karl Albrecht Höppl, der sich über Jahre hinweg engagiert für die vegetarische Sache einsetzte.

Interessant und wohl vor allem den jüngeren Lesern wenig bekannt ist die Tatasche, dass im Jahre 1956 der eben gegründete Deutsche Vegetarier-Rat einen „Vegetarier-Ausweis für Kriegsdienstverweigerer" erarbeitet hatte, den wir hier abdrukken.

Dieser Ausweis wurde auf Antrag Vegetariern ausgesellt, die aus ethischen gründen den Wehrdienst ablehnten und den Ersatzdienst beantragen wollten.

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Arbeit des Deutschen Vegetarier-Rates ist die Erarbeitung und Verabschiedung der sog. Rehburger Formel, die die Frage „Was ist Vegetarismus? erstmals in einer möglichst umfassenden, allgemeingültigen Form beantworten sollte.

„Der Vegetarismus ist die Lehre, dass der Mensch aus ethischen und biologischen gründen ausschließlich zum Pflanzenesser bestimmt ist. Sein stärkstes Motiv ist die überzeugung, dass möglichst kein Tier für die menschliche Existenz getötet oder geschädigt werden soll.

Die Rehburger Formel (RF) wurde auf der Tagung des Deutschen Vegetarier-Rattes in Bad Rehburg vom 15.-17. 11 1963 verabschiedet.

Der Deutsche Vegetarier-Rat setze sich aus Mitgliedern der unterschiedlichsten Organisationen zusammen. So hatte der DVR 1966 27 Mitglieder, von denen 8 offizielle Vertreter von lebens reformerischen Verbänden waren: die Vegetarier-Union Deutschland, der Bund Freisozialer Lebens reformer, der Nazoräer-Orden, die Internationale Fraünföderation der Deutschen Mazdaznan bewegung, die deutsche reform-jugend, das Deutsche Reform-Jugendwerk und die Vegetarische Gesellschaft Stuttgart.

Der DVR sollte einen wichtigen Beitrag zur Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen leisten und war damit Interessenvertretung sämtlicher Ziele der Lebensreform und des Vegetarismus.

Jährlich veranstaltete er den „Deutschen Vegetariertag, an dem u.a. auch die angeschlossenen Organisationen teilnahmen.

Die Zielsetzungen des DVR waren:
- Veranstaltung des Jahrestreffens
- Beratung der Wehrdienst verweigerer
- Betreuung hilfsbedürftiger und einsamer Gesinnungsgenossen
- Altersheime für Vegetarier, vegetarische Verpflegung in Gemeinschaftseinrichtungen
-öffentlichkeits- und Pressearbeit
-Kontakt mit gesinnungsverwandten Gruppen und Organisationen
Zum Vorsitzender des DVR wurde 1963 Prof.Wilhelm Brockhaus gewählt.

Prof. Wilhelm Brockhaus
Brockhaus war eine der zentralen Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte der vegtarischen Bewegung. 1907 geborentrat er bereits früh der Wandervogelbewegung bei und blieb der Lebensreformbewegung und dem Vegetarismus auch während seines Studiums der Biologie, Chemie, Physik, Geographie und Philosophie treu. Trotz einer Ausbildung für den höheren Schuldienst, wurde er aus politischen gründen während der NS-Zeit im Volks- und Realschulbereich eingesetz. Nach 1945 widmete er sich der Lehrerbildung und schlug die universitäre Laufbahn ein (Lehrstuhl für Biologie, später Geographie und ihre Didaktik). Herausragende Leistung war das 1975 im Hirth-hammer-Verlag veröffentlichte Standardwerk zum Vegetarismus „Das Recht der Tiere in der Zivilisation. Einführung in Naturwissenschaft, „Philosophie und Einzelfragen des Vegetarismus. Der Herausgeber und Mitverfasser knüpft mit diesem Buch an einem ähnlich umfassenden Beitrag in der vegetarischen Literatur, die „Philosophie des Vegetarismus (1912 von Friedrich Jaskowski verfaßt) an. Wir drucken auf Seite 122 einen Auszug aus „Das Recht der Tiere ... ab.

„In einer sehr bewegten und problemreichen Welt, in der sich die Menschen nicht einmal über ihre eigenen Angelegenheiten einig werden können, stehen die wenigen bewußten Vegetarier und fordern, dass nicht nur die Mitmenschen, sondern auch die Mitgeschöpfe, die Tiere ein Recht haben, nicht beliebig von Menschen, die ihnen an Intelligenz und Technik überlegen sind, ausgebeutet zu werden ... Insbesondere verlangt der Vegetarismus, dass möglichst wenig tierishces Leben für die menschliche Existenz gequält und geopfert werden soll. Er verlangt die Enthaltung von Produkten, die von Tieren stammen, die zu diesem Zweck gequält und getötet werden. (Prof. Wilhelm Brockhaus, aus: Vortrag auf Welt-Vegetarier-Kongreß 1965).

Die weitere Entwicklung
Sicherlich die Höhepunkte der vegetarischen Nachkriegsgeschichte und einigen der Leser noch und Erinnerung waren die Weltkongresse 1960 in Hamburg und Hannover sowie 1982 in Neu-Ulm.

Der Welt-Kongreß wurde unter der Leitung von Geo Hiller ausgerichtet und organisiert, der auf der Vorstandssitzung der IVU im Rahmen dieser Veranstaltung zum Deputy-Präsidenten der IVU gewählt wurde.

So war 1960 abschliessend über den 16. Weltkongreß in Hannover und Hamburg zu lessen:

„In Zukunft werden die Vegetarier ihre schüchterne Haltung fallen lassen und sich mit ihren Kongressen der Weltöffentlichkeit zeigen. In Zukunft werden die Kongresse in erster Linie dazu dienen, die Position der Vegetarier im Gastland zu bestärken und zu zeigen, daß die vegetarischen Ideen und die vegetarische Praxis eine Aufgabe in dieser Welt haben (Der Vegetarier 12/1960, S.10)

über 25 Jahre blieb der Vereinsname „Vegetarier-Union Deutschland unverändert. Am 28, Oktober 1973 wurde auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung der Vegetarier-Union Deutschlands beschlossen, den Vereinsnamen zu ändern und sich mit dem Freundeskreis der deutschen Reformjugend zusammenzuschließen. Diese Namensänderung stand für die öffnung des Vereins; die Idee des Vegetarismus sollte mehr Verbreitung finden und einem größeren Kreis nahegebracht werden:

„Der neü Name ... wurde gewählt, weil er die Zielsetzung unserer Organisation bekundet, daher nach außen positiver und nicht so isolierend wirkt wie der alte Name, weil er neü Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit in gleicher Richtung arbeitenden Organisationen schafft ... (Der Vegetarier 1/1974. S.3.) Vorangegangen war dieser Neuordnung eine Arbeitstagung am 20. Mai. an der etwa 50 Mitglieder teilgenommen hatten. Der neü Vereinsname lautete: „Bund für Lebenserneürung e.V., Vereinigung für ethische Lebensgestaltung, Vegetarismus und Lebensreform.

Mit 700 Teilnehmern aus 34 Ländern war der 26. Vegetarier-Weltkongreß 1982 in Neu-Ulm, der unter dem Leitmotiv „für eine humane Welt in Friedenstand, gut besucht und fand breites öffentliches Interesse.

Das erste Silvester treffen des damaligen Bundes für Lebenserneürung e.V. fand zum Jahreswechsel 1974/1975 auf Burg Ludwigstein statt und griff damit die Tradition des Silvester treffens des Freundeskreises der deutschen reformjugend auf.

Gleichzeitig endete die 18-jährige Tätigkeit von Geo Hiller als Vorsitzender der VUD und als Schriftleiter der Zeitschrift. Mit seinem Ausscheiden endete eine wichtige Epoche der vegetarischen Vereinsgeschichte.

Nachfolger im Vorstand wurden Prof. Klas Detering, Volker Neumann und Horst Philippi. Die Zeitschrift wurde von Prof. Wilhelm Brockhaus, Adolf Heidenreich, Dr. Hilmar Burggrabe und Volker Fees weitergeführt. Bereits kurze Zeit darauf wurde Prof. Brockhaus Vorsitzender des Bundes. Rudolf Meyer stellvertretender Vorsitzender. 1977 wurde Brockhaus von Prof. Bodo Liebe abgelöst, heute 1. Vorsitzender der Vegetarier-Altenhilfe e.V.

1981 wurde dem Verein nach langjährigem Bemühen die Gemeinnützigkeit zürkannt. 1983 wurde der jetzige Bundesvorsitzende Rudolf Meyer, seit 1976 Stellvertretender Vorsitzender, als neür Vorsitzender gewählt, gleichzeitig die Schriftleitung mit Elisabeth Schrank, Adolf Heidenreich und Ulrich Schröter umbesetzt. Elf Jahre nach der ersten Umbenennung wurde über eine erneute Namensänderung des Vereins nachgedacht. Das vegetarische Element sollte Bestandteil des Namens werden und damit dem Aussenstehenden die Zielsetzung des Vereinsübermitteln. Die Bundesversammlung des Jahres 1984 stimmte einer änderung des Vereinsnamens zu: seit Anfang 1985 heisst der Verein „Vegetarier-Bund Deutschlands, Bund für Lebenserneürung e.V., Vereinigung für ethische Lebensgestaltung und Lebensreform.

Rudolf Meyer schrieb in Heft 1/85:
„Wir bekennen uns deutlich zu einer vegetarischen Lebensweise und akzeptieren alle Mitbürger, die auf dem Wege zu dieser gesunden Lebensführung sind. Wir wollen aber sehr klar, für jedermann erkennbar sagen, daß für uns der Vegetarismus nicht nur eine Frage des gesunden Essens ist, sondern dass sich damit eine geistige Haltung, ein ethisches Verhalten verbindet.

Der Kongreß vom 7.-13 Juni 1992 in Leipzig knüpft an den Beginn der Vereinsgeschichte vor 100 Jahren an und blickt gleichzeitig in die Zukunft. Vielleicht wird in 100 Jahren - im Jahre 2092 - ein ähnlicher Rückblick wie in diesem Heft versucht werden. Wir hoffen, dass dieser Rückblick eine erfolgreiche Entwicklung und Verbreitung der vegetarischen Idee zum Inhalt haben wird. Jeder von uns kann sowohl durch Aktivitäten im Verein als auch durch individülles Engagement dazu beitragen.

„In einer sehr bewegten und problemreichen Welt, in der sich die Menschen nicht einmal über ihre eigenen Angelegenheiten einig werden können, stehen die wenigen bewußten Vegetarier und fordern, dass nicht nur die Mitmenschen, sondern auch die Mitgeschöpfe, die Tiere einRecht haben, nicht beliebig von Menschen, die ihnen an Intelligenz und Technik überlegen sind, ausgebeutet zu werden ... Insbesondere verlangt der Vegetarismus, daß möglichst wenig tierisches Leben für die menschliche Existenz gequält und geopfert werden soll. Er verlangt die Enthaltung von Produkten, die von Tieren stammen, die zu diesem Zweck gequält und getötet werden. (Prof. Wilhelm Brockhaus, aus: Vortrag auf Welt-Vegetarier-Kongreß 1965)

Judith Baumgartner

The vegetarian movement since 1945
New Starts, Personalities, Association Development

After 1945 the vegetarian movement was organized anew; the associations were recreated. There were no existing organizations or structures to revert to. In the post-war years, the third generation of vegetarians (after Baltzer, Struve etc. and the representatives of vegetarianism in the decades after 1890) were already striving for vegetarian ideas and associations.


Re-establishment after 1945


Important preparatory work for a new organizational alliance of vegetarians was carried out by W.F. Adolf Briest (b.1895). In 1944, Briest was looking for a circle of persons interested in re-establishment by placing advertisements in the magazine "The Turning Point". He was already a strict vegetarian in 1930 and had successfully overcome a severe war affliction through vegetarian nutrition heavily relying on raw food. In the years between 1931-33, Briest, who was a qualified merchant, founded the "Study Group of Raw Food Proponents (ROKOLA)", the "Raw Food Promotion", which was a sample food place with lecture center and shop, the cooperative "ROKOWA", and the "Federation for Vegetable Food and Natural Lifestyle" in Hamburg. His book, "The Nutrition of Thinking People" was published in three editions. In 1933, Adolf Briest was forced to cease his nutritional activities for political reasons.

In May 1946, vegetarians met for the first time after the war in the horticultural settlement of Donnershag near Sontra, Kassel, and initiated the establishment of the "Vegetariar-Union Deutschland" (VUD). The so-called "Sontra Manifesto" documents the establishment of the VUD, from which the present-day Vegetarian Federation of Germany developed.

"As proposed by Adolf Briest of Süttorf (District of Lüneburg), vegetarians from different areas of Germany convened again for the first time in the horticultural settlement of Sontra/Kassel, on 29 May 1946 . They unanimously state their desire to now gather all German vegetarians and unite them in the Vegetariar-Union Deutschland. This union is to revive the connection with the International Vegetarian Union at once."

The VUD was registered one year later into the record of associations in Lüneburg, and Adolf Briest became first chairman. He was succeeded by Heinrich Frantzen (1948-50) and later on by Dr. jur. Ernst Waag, who presided over the association until Geo Hiller (1955) assumed this position.

At the same time, Helmut Th. K. Rall had created the "Vegetarier-Union Ebhausen (VU)" in the French zone for reasons due to occupational law. On 25 May 1948, it was recorded in the Nagold register of associations. The planned fusion of the two unions after the formation of the Federal Republic of Germany was not successful; in the following years, the organizations existed separately instead. Rall's organization, which later published the Vegetarian Universe, largely dissolved in the mid 70's, with the last issue of the magazine being published in December 1975. In 1950 both the VUD and the VU were incorporated into the International Vegetarian Union at the 12th Congress of the IVU.


Geo Hiller (1908-1985)


With Geo Hiller there began a new era in the history of vegetarian associations. Hiller devoted much attention and time in particular to the magazine and stressed its importance in spreading vegetarian ideas.

"…The fact that the future will belong to vegetarianism is not even doubted by those who are unable or unwilling to make up their minds to make it happen. But we, for whom it is important to literally make the future a thing of the present, need a vegetarianism that fits in with our present time. Therefore we shall strive to demand and promote in our magazine that level which raises us to the future instead of allowing us to regress into past or insignificant issues. The publication, which is open to any efforts of our direction, consciously grooms discussion and freedom of opinion, but rests on the condition of the truth of what is essential and the observance of formal requirements, shall come into being. … We are aware of the responsibility we thereby take upon us." (Geo Hiller, 1st Chairman of the VUD on the occasion of the reorganization of the magazine, 1956).

Particularly older readers and members will be familiar with the person of Geo Hiller. His declaration that "the most consistent proponent of animal protection is a vegetarian" characterizes his commitment to active animal rights and ethical vegetarianism. Besides conducting affairs nationwide, Hiller was also editor of the magazine "The Vegetarian" for many years. His business establishment at Blumenstr. 3 in Hanover today houses the office of the VBD. The "Hiller House" was built in the year 1956, and the ground floor was set aside for the establishment of a vegetarian restaurant which still exists today.


"The Vegetarian" and the "Vegetarian Universe"

In 1947, the same year that the VUD was registered, Adolf Briest had already begun the vegetarian magazine "The Promoter: Literary series for a meaningful lifestyle", which was published until 1950. It was followed by publications such as "Reports of the VUD", "Be a Human Being", and "New Man" that appeared in loose succession and informed members about the various vegetarian topics, events, and union announcements. "The Vegetarian" became the official publication of the VUD on 1 January 1956.

A year later, the amalgamation of two vegetarian magazines-Der Vegetarier (of the VUD) and the Vegetarier-Rundschau (a joint project of the Sontra vegetarians) was to be a first, symbolic step of cooperation. However, only six of these combined issues appeared; as early as July 1957 the "Sontra Health Messenger" was independently published once more. Its editor, Oswald Kiehne, (b. 1900), had already begun a vegetarian newspaper in 1948.

In addition to "The Vegetarian" and "Sontra Health Messenger", there was the "Vegetarianer Universum". Published and edited by Helmut Rall from 1949 to the mid 70's, this "Magazine for Complete Life Reformation and Related Efforts" appeared monthly in the format and get-up of a daily newspaper. In December 1975 the last issue of the "Vegetarian Universe" appeared in its 28th year. This vegetarian magazine understood itself to be the "central publication of vegetarianism, of a nutrition, healing art and national economy in harmony with nature, for peace culture and true humanity." In addition, it believed itself to be a "news source of related efforts in regards to the reform of life, cure, and economy, the nature cure movement, breathing and nudist culture, opposition to vaccinations, the movement against alcohol and nicotine, fresh food efforts, the animal protection and anti-vivisection movements, organic agriculture, the reform trade and the reform goods article industry".

In particular, the reader journeys of the "Vegetarian Universe" enjoyed great popularity. These "Apple Travels" were group journeys featuring vegetarian food. For some of these package tours for vegetarians, through coaches were rented and reserved for participants. In organizing the "apple travels", Rall, who owned a travel agency, connected his occupational possibilities with private commitment for vegetarian ideas.
Helmut Rall died last year. The "Vegetarian Universe" and any associated activities were stopped 1975 "until further notice". With the death of Helmut Rall, any revival of the "Vegetarian Universe" magazine should now be out of the question.


Vegetarian Cooperation and the Rechburg Formula

In the 50's, some attempts at cooperation between the different vegetarian organizations were made. The beginning was made by the "German Vegetarians' Federation" (DVF) which was created in the summer of 1951 on suggestion of the IVU, the presidency was meant to change annually. However, the DVF existed only one year.

In light of the Federal Republic of Germany's entrance into NATO and the formation of the German Federal Armed Forces, the institution "Council of the German Vegetarians' Movement, Study Group of German Vegetarian Federations" was created on 9 August 1956 and renamed "German Vegetarian Council" in 1961. The first chairman was Karl Albrecht Höppl, who had for years been engaged in the vegetarian movement.

It is an interesting fact, probably little known to the younger readers, that in the year 1956 the newly founded German Vegetarian Council had devised a "vegetarian's identification card for conscientious objectors" that is depicted here.

This document of identification was issued on request to vegetarians who refused military service for ethical reasons and who wished to apply for alternative service.

One of the most important results of the German Vegetarian Council's work is the development and passage of the so-called Rehburg Formula, which was intended to anwer for the first time the question, "what is vegetarianism?", in as comprehensive and generally accepted a form as possible.

"Vegetarianism is the teaching that man, for ethical and biological reasons, is meant to eat plants exclusively. Its strongest motive is the conviction that where possible, no animal should be killed or damaged for human existence."

The Rehburg Formula (RF) was passed by the German Vegetarian Council at the conference in Bad Rehburg of 15-17 November, 1963.

The German Vegetarian Council consisted of members from the most different of organizations. Thus in 1966, the DVR had 27 members, 8 of whom were official representatives from life reform federations: the Vegetarier-Union Deutschland, the Union of Free Social Life Reformers, the Order of Nazoreans, the International Women's Federation of the German Mazdaznan Movement, the German Reform Youth, the Reform German Youth Organization, and the Vegetarian Society of Stuttgart.

The DVR was to make an important contribution to the cooperation of the individual groups and thus represented the interests of the life reform movement and of vegetarianism.
It organized the annual "German Vegetarian Day", in which, among others, the aforementioned organizations also participated.

The objectives of the DVR were:
- organization of the annual meeting
- consultation for conscientious objectors
- support of needy and lonely comrades
- old people's homes for vegetarians, a vegetarian food supply in communal facilities
- publicity and press work
- contact with related groups and organizations

Professor Wilhelm Brockhaus was elected chairperson of the DVR in 1963.


Professor Wilhelm Brockhaus

Brockhaus was one of the central personalities in the post-war history of the vegetarian movement. Born in 1907, he joined the "Bird-of-Passage" movement early on. He also remained faithful to the life reform movement and to vegetarianism throughout his studies of biology, chemistry, physics, geography and philosophy. Despite having been trained for higher education, he was employed at lower-level schools during the National Socialist period for political reasons. After 1945 he worked in teachers' education and applied himself to a university career (chair for biology; later geography and its didactics).

One outstanding achievement was the standard work on vegetarianism published by the Hirthhammer publishing house in 1975, "Animal Rights in Civilization. Introduction to Natural Science, Philosophy and Specific Questions of Vegetarianism". With this book, the publisher and co-author picked up the thread of a similarly comprehensive contribution in the vegetarian literature, the "Philosophy of Vegetarianism" (Friedrich Jaskowski, 1912). We print an excerpt from "Animal Rights in Civilzation" on page 122.

"…In a very much agitated and problematic world, in which people cannot even reach agreement concerning their own affairs, the few conscious vegetarians stand and demand that not only their fellow man but also the fellow creatures - the animals - have a right not to be exploited at will by humans who are more advanced in matters of intelligence and technology… In particular, vegetarianism demands that as little as possible animal life be tormented and sacrificed for the benefit of humans. It demands the abstention from products derived from animals who have been tortured or killed for this purpose." (Professor Wilhelm Brockhaus, from: Speech at the World Vegetarian Congress in 1965).

 

Further Development

Surely the high points of vegetarian postwar history, still remembered by some readers, were the world congresses of 1960 in Hamburg and Hanover, as well as that of 1982 in Neu-Ulm.

The world congress was held and organized under the direction of Geo Hiller, who was elected deputy president of the IVU during its board meeting in the framework of this event.

Thus one could read in 1960, in conclusion about the 16th World Congress of Hanover and Hamburg:

"… In the future, vegetarians will drop their reticent attitude and make themselves conspicuous to the world through their congresses. In the future, the congresses will serve primarily to encourage the position of vegetarians in the respective host countries, and to show that the vegetarian ideas and the vegetarian practice have a task in this world "(The Vegetarian 12/1960, pg.10)

For over 25 years, the name "Vegetarianier-Union Deutschland" remained unchanged. But on October 28, 1973, at an extraordinary general meeting of the VUD, it was decided that the name of the association be changed and that they unite with the German Reform Youth. This change of name represented an opening of the association; the idea of vegetarianism should be spread and presented to a larger circle.

"The new name … was chosen because it states the objective of our organization, and thus has an external effect that is more positive and less isolating than the old name, because it creates new possibilities of cooperation with other organizations similar working along similar lines …" (The Vegetarian 1/1974, pg.3.)

Prior to this reorganization, there had been a work meeting on 20 May in which about 50 members had participated. The new association name read: "The Federation for the Renewal of Life, Union for Ethical Lifestyles, Vegetarianism, and Life Reform".

The 26th Vegetarian World Congress of 1982 in Neu-Ulm under the guiding theme of "for a humane world in peace" had as many as 700 participants from 34 countries and found broad public interest.
The first New Year's meeting of 1974/1975, still under the name of "Bund für Lebenserneuerung e.V.", took place at Ludwigstein Castle and thus resumed the tradition of New Year's meetings of the German Reform Youth.

At the same time, Geo Hiller's 18 years as a chairman of the VUD ended, as did his career as editor of the magazine. An important epoch of vegetarian association history was over.

Successors in the executive committee were Professor Klas Detering, Volker Neumann and Horst Philippi. The magazine was continued by ProfessorWilhelm Brockhaus, Adolf Heidenreich, Dr. Hilmar Burggrabe and Volker Fees. Only shortly after this, Professor Brockhaus became chairman of the federation, with Rudolf Meyer as the assistant chairman. In 1977, Brockhaus was replaced by Professor Bodo Liebe who is today the first chairman of the Vegetarian Movement for Assisting the Elderly.

In 1981, after the efforts of many years, the status of non-profit was awarded to the association. Rudolf Meyer, who had been assistant chairman since 1976, was elected to his current position of Federal chairman in 1983. At the same time, Elizabeth Schrank, Adolf Heidenreich, and Ulrich Schröter became the new editors. Eleven years after the first renaming, the organization considered renewing their name once more. The vegetarian element was intended be a component of the name to thereby convey the objective of the association to outsiders. The annual Presidential Election Council of 1984 agreed to a change of the association name; since the beginning of 1985 it has been known as the "Vegetarian Federation of Germany, Federation for Life Renewal, Union for Ethical Lifestyle and Life Reform".

Rudolf Meyer wrote in the 1/85 issue:

"We openly profess a vegetarian way of life and accept all fellow citizens who are on their way to this healthy lifestyle. We wish to explain very explicitly, however, in a manner recognizable to everyone, that vegetarianism is for us not only a question of healthy food, but a mental attitude, an ethical behavior."

The Congress of 7-13 June 1992 in Leipzig connects to the beginnings of the association's history, spanning 100 years of the past while at the same time looking into the future. Perhaps in 100 years-in the year 2092-a similar retrospective will be attempted as in this booklet. We hope that the contents of such a retrospective will have to do with a successful development and spread of the vegetarian idea. Each one of us can contribute both by participating in association activities and by our individual commitment to them.

"…In a very much agitated and problematic world, in which people cannot even reach agreement concerning their own affairs, the few conscious vegetarians stand and demand that not only their fellow man but also the fellow creatures - the animals - have a right not to be exploited at will by humans who are more advanced in matters of intelligence and technology… In particular, vegetarianism demands that as little as possible animal life be tormented and sacrificed for the benefit of humans. It demands the abstention from products derived from animals who have been tortured or killed for this purpose." (Professor Wilhelm Brockhaus, from: Speech at the World Vegetarian Congress in 1965).

Judith Baumgartner

 

 

 

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